„…der Mensch aus der Enge der Häuser der Großstadt kommend…“

Im vergangenen Jahr hat der Verein NaturKulturBad Zschonergrund mit vielen Helfern und jeder Menge Besuchern die Wiedereröffnung des Naturbades im Zschonergrund gefeiert. Grund zum Feiern gibt es auch in diesem Jahr wieder. Für den Stadtteil ist das Gelände in den vergangenen Jahren – wieder – zu einem wichtigen Kulturraum geworden. Die Vereinsvorsitzende Astrid Hupka berichtet von einem langen Atem, den anstehenden Festen, Veranstaltungen und Projekten.

Hallo Dresden: Die Wiedereröffnung war langersehnt. Seit wann gab es die Pläne, das Bad wieder in Betrieb zu nehmen?
Astrid Hupka: Genau genommen war der Plan, das Bad wieder als Freibad nutzen zu können, seit der Gründung unseres Vereines unser Programm. Nur dafür gab und gibt es uns. Und das war im Jahr 1996.

Hallo Dresden: Das ist ja schon eine Weile her. Warum braucht es so lange, um ein Freibad zu eröffnen?
Astrid Hupka: Dass wir uns an diese eigentlich rein kommunale Aufgabe im Ehrenamt überhaupt wagen konnten, setzte Handlungsfähigkeit und vor allem Handlungsfreiheit voraus. Ersteres erreichten wir eben durch die Vereinsgründung – wir nannten uns damals übrigens noch Licht- und Luftbad Zschonergrund e.V. – und als nächstes schlossen wir mit der Stadt Dresden einen für 66 Jahre laufenden Erbpachtvertrag ab. Der nimmt uns eigentumsgleich zwar in die Pflicht, aber erlaubt eben auch, eigenständig Entscheidungen zu treffen, wie beispielsweise, Bauanträge zu stellen und mit den eingenommenen Spendengeldern schnell notwendige Sicherungsmaßnahmen an den zahlreich vorhandenen denkmalgeschützten Gebäuden vorzunehmen. Dieser Prozess, also die Stadt zu überzeugen das Bad für eine so lange Zeit an uns zu übergeben und einen entsprechenden Vertrag aufzusetzen, der uns auch wirklich handlungsfähig werden ließ, dauerte allein drei Jahre. Dass es ein Naturbad werden sollte, mit einer biologischen Selbstreinigung, war uns dann im Jahr 2001 klar, als wir einen Ausflug in das Felsenbad nach Pottenstein unternahmen. Dieses Bad hatte eine ähnliche Historie wie das unsrige und auch in der Entwicklung als Gemeindebad eher trübe Aussichten. Auch dort gründete sich eine Initiative, um das wirklich sehenswerte und in seiner baulichen Beschaffenheit einmalige Bad, zu erhalten und zeitgemäß zu nutzen. Dank zahlreicher Förderprogramme und finanzstarker Spender gelang das in Bayern nur eben weitaus schneller. Dass wir dafür im Ehrenamt über zwanzig Jahre brauchen würden, war uns damals nicht klar.

 

Hallo Dresden: Den Auftakt der Badesaison habt Ihr mit einem großen Fest begangen. Die Besucher waren begeistert. Ist für dieses Jahr auch ein Fest geplant?
Astrid Hupka: Auch in diesem Jahr wird es ein Badfest geben und natürlich stellen wir uns vor, dass es zu einer schönen Tradition wird. Die Eröffnung im vergangenen Jahr sollte etwas ganz Besonderes werden, was absolut gelungen ist, und vor allem für die Akteure und die Vereinsmitglieder zu einem unvergesslichen Ereignis wurde. Einmalig soll es in dieser Form auch bleiben. Das hat jedoch auch zutiefst praktische und menschliche Gründe: Es war für alle ehrenamtlichen Beteiligten ein ungeheurer Kraftakt, der in der Zeit der Vorbereitung sehr viel abverlangt hat. Aber diese Freude über das Erreichte, und dass nach 27 Jahren Pause im Zschonergrundbad endlich wieder gebadet werden kann, hat alle angespornt. Das wird einmalig bleiben und soll es auch. Das diesjährige Fest – übrigens am 14. August – wird daher etwas kleiner ausfallen.

Hallo Dresden: Veranstaltungen und Feste bedeuten auch immer einen Vorbereitungsaufwand. Wer unterstützt Euch dabei?
Astrid Hupka: Das ist unterschiedlich: Das Badfest organisieren wir zum Beispiel gemeinsam mit der Lebenshilfe Dresden, deren Integrationsfirma nun schon im zweiten Jahr das Bad betreibt. Es wird im Bereich des Hofes Livemusik geben, im Grunde wird Sport und Spiel angeboten, auch Wasserspiele natürlich. Die Arkaden und Terrassen sind dem gemütlichen Verweilen und Verzehr vorbehalten.

Hallo Dresden: Zurück zum Ausbau des Naturbades: Dank einer ausgeklügelten Filteranlage können täglich 350 Gäste das Bad nutzen, zu Spitzenzeiten verträgt der Biorhythmus des Bades auch mal 700 Tagesgäste. Wie war es im Eröffnungsjahr? Habt Ihr diese Zahlen 2015 erreicht?
Astrid Hupka: Der vergangene Sommer war ein Wahnsinnssommer! Die Besucherzahlen lagen am Ende weit über den kalkulierten Zahlen. Aber darauf verlassen kann man sich eben nicht. Wir alle wissen, dass es auch total verregnete Sommer geben kann. Wir sind auf diese Saison gespannt!

Hallo Dresden: Wollt Ihr eigentlich, dass so viele Menschen pro Tag da sind? Dadurch wird es doch reichlich voll auf dem Gelände. Geht dadurch nicht der heimelige Charme verloren?
Astrid Hupka: Wie schon gesagt, man muss die gesamte Saison betrachten. Es gab auch Tage, da blieb das Bad geschlossen. Kosten fielen trotzdem an. So gesehen, können es kaum zu viele Besucher sein. Zum Glück ist das Gelände ja auch sehr weitläufig, hat viel Liegefläche und die Kinder konnten sich auch im Zschonerbach austoben, der mitten durch das Bad fließt. Sicher war es an manchen Tagen sehr voll und es musste auch mal der Einlass gestoppt werden, aber dem Charme des Bades tun viele Menschen keinen Abbruch. Wir hatten sehr viel positives Feedback, haben aber auch Hinweise bekommen, was eventuell besser gemacht werden könnte. Das haben wir und die Integrationsfirma der Lebenshilfe in der neuen Saison aufgegriffen. So wird es in diesem Jahr einen zusätzlichen Handlauf im Bereich des Kleinkinderbeckens geben und auch das Imbissangebot wird erweitert werden.

 

Hallo Dresden: Wer kommt am liebsten: Familien, Jugendliche, Senioren…?
Astrid Hupka: Wir beobachten schon, dass das Zschonerbad mehr ein Familienbad ist. Aufgrund unserer knappen Finanzen mussten wir beim Bau des Bades auf Attraktionen, wie beispielsweise einen Sprungfelsen verzichten, eine Rutsche war ebenso wenig drin. Das sind Angebote, die sich vor allem Jugendliche wünschen; Diese Altersgruppe ist daher nicht so stark vertreten. Aber Kinder gibt es genügend! Viele junge Familien kommen gern mit ihrem Nachwuchs, da sie es schätzen, dass dem Badewasser keine Chemikalien beigegeben werden. Auch viele ältere Dresdner freuen sich, dass das Bad ihrer Kinder- und Jugendtage wieder geöffnet hat und nutzen das Angebot vor allem am späteren Nachmittag. Statistiken führen wir derzeit noch nicht. Der Betreiberfirma und auch uns ist es erst einmal wichtig, dass technisch und gesamtorganisatorisch alles klappt und die Badewasserqualität den Anforderungen entspricht. Außerdem sind wir uns auch der baulichen Besonderheit bewusst. Die Höhenunterschiede sind nicht für alle praktisch: Vor allem für ältere Menschen und Familien mit Kinderwagen ist die lange und ziemlich steile Treppe vom Eingang zum Badebereich eine Herausforderung. Eine umsetzbare und vor allem zu finanzierende Lösung, die diesen Besuchergruppen erlaubt, bequemer zum Baden zu gelangen, gibt es noch nicht. Auch das beeinflusst vielleicht die Altersstruktur der Besucher.

Hallo Dresden: Das Bad im Zschonergrund ist ja nicht nur Schwimmanlage. Ihr öffnet das Gelände auch für viele andere Veranstaltungen.
Astrid Hupka: Das war ja gerade in den Jahren zwischen 1996 und 2014 eines unserer wichtigsten Anliegen: Das Bad sollte auch als Freizeitstätte im Kulturbereich im Bewusstsein bleiben. Und wir wollten die Besucher in den Prozess des Wiederaufbaus einbeziehen. Wir brauchten ja ständig Spenden und haben immer Mitstreiter gesucht. Wie kann man das am Besten erreichen? Indem man so ein Objekt regelmäßig und nicht nur im Sommer für die Öffentlichkeit zugänglich macht. Mit den Jahren haben sich die Benefizkonzerte etabliert und die jahreszeitlichen Veranstaltungen wie Osterfeuer, Kräuterfest und Wintersonnenwende. 2010 kam dann auch die Natur-Bildung hinzu. Schulklassen nutzen seither die Angebote rings um unseren Kräutergarten und nutzen das Bad auch schon mal für Klassenausflüge zum Schuljahresabschluss. Dann wird auch im Bad gezeltet. Für einige Kindergärten ist das Zuckertütenfest im Zschonergrundbad schon viele Jahre Tradition. Ohne jahreszeitliche Einschränkung ist das Zschonerbad seit 2003 ein Ort zum Feiern für Alt und Jung geworden.

Hallo Dresden: Das hört sich nach einem abwechslungsreichen Programm an.
Astrid Hupka: Wie ich schon beschrieb, sind alle Vereinsmitglieder ehrenamtlich tätig. Es ist also nicht selbstverständlich, dass im Bad „immer etwas los ist“. Wir müssen alle auch Zeit dafür finden. Deshalb werden die Besucher auch in Zukunft aufmerksam sein müssen und schauen, ob, was und wann etwas stattfindet. Ein Blick auf unsere Homepage gibt da Aufschluss.

Hallo Dresden: Welche Bedeutung hat das Gelände für die Menschen vor Ort und für Euch als Verein?
Astrid Hupka: Zuerst einmal ist das Bad ja ein Ort, der wirklich Geschichte hat. Er ging hervor aus einer ehemaligen Gärtnerei. Die Gebäude stammen teilweise aus dem Jahre 1836. Stadtbaurat Paul Wolf ließ das Areal Ende der 1920-er Jahre zu einem Freibad umbauen und erweitern und entsprach damit den Zeichen der Zeit, dass nämlich der Mensch aus der Enge der Häuser der Großstadt kommend, sich in der Natur frei bewegen und dort seine Gesundheit und seinen Geist stärken kann. Wer heute nach fast 90 Jahren ins Zschonergrundbad kommt, kann diese Bewegung noch immer spüren: Es herrscht eine Einheit zwischen Natur und Baudenkmal und wie man sich darin bewegt. Für uns ist das sozusagen die Basis und gleichzeitig natur-kulturelles Erbe, das es zu erhalten gilt. Alle Angebote, die der Verein unterbreitet oder entwickelt, stehen damit im Zusammenhang.

 

Hallo Dresden: Welche Projekte stehen denn aktuell auf der Agenda?
Astrid Hupka: Aktuell sind wir dabei die historischen Umkleidekabinen wieder ihrer ursprünglichen Nutzung zuzuführen, zumindest einen kleinen Teil. Dies ist kostenaufwendig und natürlich beansprucht es Zeit und Kraft engagierter Leute im Verein. Aber wir suchen auch nach alternativen Nutzungsmöglichkeiten. So stellen wir uns beispielsweise vor, dass die Kabinenzeile direkt am Kräutergarten so umgestaltet wird, dass sie als überdachte Sitzfläche zu einem „Kräuterklassenzimmer“ werden könnte. Dieses Projekt entwickelt sich gerade. Und da uns ja nun bald unser TJG in Richtung Stadtzentrum verlässt und wir im Dresdner Westen sozusagen „bühnenlos“ werden, gibt es auch Überlegungen zu einer kleinen Freilichtbühne im Zschonerbad. Wir suchen außerdem ständig nach Finanzierungsmöglichkeiten und immer wieder nach aktiven Mitstreitern. Damit wären wir auch wieder bei der Frage von eben: Das Zschonerbad ist nicht nur ein Ort des gemeinsamen Verweilens und Genießens. Hier kann sich, wer will, auch selber einbringen und Projekte verwirklichen helfen. Wer das Bad kennt, weiß, dass da noch sehr, sehr viel allein an Erhaltung und Sanierung zu tun ist und unser Verein ist deshalb offen für Leute mit Ideen, einem gewissen Zeitbudget und vor allem visionären Mut. Nur gemeinsam können wir dieses besondere Kleinod, das viel mehr ist als nur ein Schwimmbad, erhalten.


 

Veranstaltungen 2016
– Mai bis Sep. Baden und Entspannen im Zschonergrundbad!
– Mitte August: Kindertrödelmarkt
– 14.08. Badfest
– 03.10. Tag der dt. Einheit – Biergarten im Zschonergrundbad
– 18.12. Wintersonnenwende im Zschonergrundbad

 

Kontakt Naturbad:
Telefon: 0351 4249732

Kontakt Verein:
NaturKulturBad Zschonergrund e.V.
Merbitzer Straße 85
01156 Dresden
E-Mail: vorstand@zschonergrundbad.com
www.zschonergrundbad.com

 

Öffnungszeiten Bad 2016:
09.05. – 15.09.2016
Mo – Fr von 12.00 – 19.00 Uhr
Sa – So von 10.00 – 19.00 Uhr
in den Sommerferien (27.06.-05.08.2016) täglich 10 bis 19 Uhr

Am 06.08.2016, zur Schuleinführung, bleibt das Bad geschlossen.
Bei Schlechtwetter ist mit eingeschränkten Öffnungszeiten zu rechnen!
Außerhalb der Öffnungszeiten können Termine vereinbart werden, um z. B. mit Schulklassen die Anlage zu nutzen.

Eintrittspreise:
Erwachsene (ab 16 Jahre): 3,50 €
Kinder (ab 4 Jahre): 2,50 €
ab 17.00 Uhr: jeweils1,50 €

10’er Karte:
Erwachsene: 30 €
Ermäßigt: 20 €

Jahreskarte: 100,00 €

 

Fotos: (c) NaturKulturBad Zschonergrund e. V.