„Am besten ist immer das persönliche Gespräch“

Nah an den Menschen – und dabei ganz weit oben: Eva-Maria Stange steht für den Spagat zwischen Bürgeranliegen und Landespolitik. Als Ministerin für Wissenschaft und Kunst trägt sie die ganz großen Entscheidungen für Sachsen mit. Dabei verliert sie den Kontakt zu den Menschen aus ihrem Wohnumfeld nicht aus den Augen.

Hallo Dresden: Du bist oft außerhalb unterwegs, selten im eigenen Viertel. Was lässt Dich immer wieder gern heimkehren?
Eva-Maria Stange: Ich wohne in meinem Wahlkreis seit mehr als zwanzig Jahren. Selbst wenn ich in einer Woche mal zu keiner offiziellen Veranstaltung hier bin, so bin ich im Dresdner Westen einfach zu Hause. Das finde ich schön so.

 

Hallo Dresden: Was macht eine erfolgreiche Wahlkreispolitik aus?
Eva-Maria Stange: Seit Oktober 2009 habe ich ein Bürgerbüro mitten im Stadtteil. Gemeinsam mit meinem Mitarbeiterteam haben wir uns in diesen Jahren viel Vertrauen erarbeiten können. Wir sind regelmäßig mit Aktionen im Wahlkreis unterwegs – zu Weihnachten, zu Ostern oder zum Frauentag gibt es da auch mal ein Blümchen für die Menschen. Viele Bürger kommen zu uns – ob zu einer Veranstaltung oder zu den Bürgersprechstunden, bei einer Straßenaktion oder einfach auf einen Kaffee ins Bürgerbüro. Ich nehme jedes Bürgeranliegen ernst und lasse mich dabei auch von mühsamen und langwierigen Wegen oder schwierigen Gesprächen mit Behörden nicht abschrecken. Wir sind in unserem Wahlkreis sehr gut vernetzt und in zahlreichen Initiativen aktiv. So möchte ich Vertrauen durch Verlässlichkeit und Bürgernähe schaffen.

Hallo Dresden: Die Zeit mit den Menschen vor Ort: Wie verbringst Du die am liebsten?
Eva-Maria Stange: Am liebsten spreche ich mit den Menschen über ihre Anliegen im kleineren Kreis. Neben den regelmäßigen Bürgersprechstunden, biete ich zwei- bis dreimal im Jahr einen Samstagsbrunch an. Da kommen gerade Familien, denn wir haben schon immer eine kleine Spieleecke und so können die Eltern sich in Ruhe mit mir unterhalten. Ein sehr schöner Erfolg ist auch unser jährlicher Neujahrsempfang. Da ist das Bürgerbüro übervoll und es treffen sich Menschen aus dem ganzen Wahlkreis, die sich sonst kaum begegnen würden.

Hallo Dresden: In den Medien bekommen wir vom Leben der Politiker mit, dass sie entweder in Saus und Braus – vermeintlich auf Kosten anderer – leben oder aber Schelte beziehen für die Entscheidungen, die sie treffen. Kein sehr angenehmes Leben, wie es scheint…
Eva-Maria Stange: Ich habe mich erst 2009 ganz bewusst für die Politik entschieden und um ein Landtagsmandat gekämpft. Ich habe in den Jahren zuvor gespürt, dass ich etwas bewegen kann für eine bessere und gerechtere Bildungspolitik. Auch wenn das nur einen Teil meiner Arbeit als Ministerin und Abgeordnete ausmacht, so ist es dennoch nach wie vor mein wichtigstes Motiv. Ja, es ist manchmal bitter, pauschal als „Die Politiker“ abgeurteilt zu werden, ohne dass die Menschen überhaupt wissen, was man macht, wie man lebt und handelt. Oft höre ich aber auch, von denen, die mich besser kennen: „Sie sind ja anders. Sie meine ich nicht.“ Ein kleiner Trost und Motivation.

Hallo Dresden: Interessieren sich Menschen heute noch dafür, aktiv politische Prozesse zu gestalten?
Eva-Maria Stange: Ich bin sehr froh, dass es nach wie vor zahlreiche Menschen gibt, die sich aktiv einbringen – egal ob in politische Prozesse oder in einem Verein. Gerade junge Menschen wollen möglichst konkret und zeitlich überschaubar etwas gestalten. Schwieriger sind langfristige Bindungen an Vereine oder Parteien. Ich kann das gut verstehen, denn viele junge Menschen sind sehr mobil und dazu erst am Beginn ihres Arbeits- oder Familienlebens. Da stehen oft andere Dinge im Vordergrund und die Zeit für Ehrenamt ist knapp. Gerade aktuell bei der Flüchtlingshilfe sehe ich mit großer Freude, wie viele Studierende sich engagieren, in Initiativen mitwirken. Über diesen Weg findet der eine oder andere auch in die Politik, wenn er oder sie erlebt, dass er/sie etwas bewegen kann.

 

Hallo Dresden: Angeblich läuft heute alles übers Internet und digitale soziale Netzwerke. Funktioniert Politik heutzutage auch so?
Eva-Maria Stange: Politik hat viel mit Kommunikation zu tun. Nach wie vor bin ich aber ein Freund des direkten Gesprächs, denn wir sind Menschen und ich möchte meinen Gegenüber sehen und mir ein Bild von ihm machen, wenn er mir sein Problem schildert, mit mir um eine Position ringt oder ähnliches. Internet, Facebook, Twitter und so weiter sind wichtige Ergänzungen. Sie sind für mich aber kein Ersatz des persönlichen Gesprächs. Vielleicht hat der Vertrauensverlust zu Politikern auch etwas damit zu tun, dass zu wenig direkt miteinander gesprochen wird.

Hallo Dresden: In der Lokalpolitik sicher auch?!
Eva-Maria Stange: Ja, gerade hier muss man nah bei den Menschen und ihrem Alltag sein. Ich habe mich bewusst dafür entschieden, in meinem Heimat-Wahlkreis zu kandidieren und nicht dort, wo es für mich politisch leichter gewesen wäre. Hier kenne ich die Straßen und die Geschichte. Ich weiß, dass es in Gorbitz mal ein Gymnasium gab und die Menschen die Schließung als einen Fehler ansahen. Ich gehe in das gleiche Einkaufszentrum wie die meisten Gorbitzer. Das Internet und die digitalen Netzwerke dienen mir fast ausschließlich als Informationsmittel. Vertrauen kann man darüber nicht aufbauen.

 

Hallo Dresden: Bezogen auf Deinen Wahlkreis: Die Bürger kommen mit ihren Anliegen zu Dir und verlangen Entscheidungen oder Weichenstellungen. Mal umgekehrt betrachtet: Was wünscht Du Dir von den Menschen vor Ort?
Eva-Maria Stange: Eine schöne Frage! Ich wünsche mir, dass die Menschen sich selbst ein Urteil bilden, in dem sie die zahlreichen Möglichkeiten des Gesprächs und Nachfragens nutzen, statt Vorurteile über „Die Politiker“ zu pflegen. Ich habe Sorge, dass unsere Demokratie immer weniger funktioniert, wenn die Menschen sich keine eigene Meinung bilden, beziehungsweise bilden wollen, und stattdessen den scheinbar einfachen Wahrheiten und Urteilen mehr vertrauen. Unser Leben ist kompliziert und politische Entscheidungen sind nicht immer in drei Sätzen zu erklären. Ich wünsche mir, dass sich die Menschen ab und an mehr Zeit nehmen für ein Gespräch.

Hallo Dresden: An welchen Vorhaben in Deinem Wahlbezirk bist Du gerade dran?
Eva-Maria Stange: Es gibt immer viele „Baustellen“ an denen wir dran sind: Da ist der geplante Neubau der B6 in Cossebaude, der einerseits zur Entlastung führen kann, andererseits für einen Teil der Bürger zu neuen Lärmproblemen führt. An einer anderen Ecke im Wahlkreis kümmern wir uns um einen fehlenden Fußweg, der gerade von älteren Bürgern schwer vermisst wird, weil er den Weg zu Bus und Bahn extrem verlängert.
Mein größter Erfolg in den letzten Jahren war sicherlich der Beschluss zum Bau des autofreien Haltestellenbereichs an der Kesselsdorfer Straße. Nur zusammen mit einer Bürgerinitiative und einem langen Atem konnten wir das für die Löbtauerinnen und Löbtauer erreichen – ich freue mich auf den Baustart Anfang 2017!
Seit zwei Jahren sind wir intensiv in die Flüchtlingsinitiativen in unserem Wahlkreis eingebunden und setzen daneben auch eigene Impulse für ein gutes Zusammenleben. So wandeln wir beispielsweise unsere Reihe „auf Weltreise gehen“, bei der wir normalerweise zu Reiseberichten aus der ganzen Welt einladen, gern ab, um Flüchtlinge von ihrer „Reise“ erzählen zu lassen; für alle, die wissen wollen, was Flucht heute bedeutet, eine gute Gelegenheit, einmal selbst nachzufragen.

 


Kontakt:
Bürgerbüro Dr. Eva-Maria Stange
Rudolf-Renner-Straße 51
01159 Dresden
Telefon: 0351 4279914
E-Mail: buergerbuero@evamariastange.de
www.evamariastange.de

Fotos: (c) Bürgerbüro Stange