„Es geht stets um die Frage, wie wir miteinander leben wollen“

Bunt, vielseitig und ein Wahrzeichen des Stadtteils: Das Putjatinhaus in Kleinzschachwitz hat eine ungewöhnliche Architektur und eine interessante Gründungsgeschichte. Doch die Besucher kommen vor allem wegen der Herzlichkeit und Ortsverbundenheit, die hier zu spüren sind. Geschäftsführerin Jana Körner sorgt mit dem Team des Hauses für gute Stimmung und abwechslungsreiche Begegnungen.

Hallo Dresden: Babykurse, Malen, Tanzen und vieles mehr – im Putjatinhaus ist immer etwas los. Wonach richtet sich das Programm?
Jana Körner: Wir gestalten unser Programm seit mehr als zwei Jahrzehnten mit und für die Bürger vor Ort. Wir orientieren uns an aktuellen Interessenlagen und Bedarfen. Wir geben aber auch Laienkünstlern und künftigen Profis, die gerade mit ihrem Programm starten, eine Chance, sich mit Ihren Inhalten bei uns auszuprobieren.

 

Hallo Dresden: Warum kommen die Teilnehmer zu Euch in die Kurse und Angebote? Es gibt doch unzählige andere Vereine, Sportclubs usw.
Jana Körner: Unsere Besucher lieben die familiäre Atmosphäre und das abwechslungsreiche Angebot an einem Ort. Bei uns geht es nicht einfach nur um die sportliche oder künstlerische Betätigung: Begegnung ist ein wichtiger Aspekt. Viele Gruppen sitzen am Ende noch zusammen und schwatzen, trinken einen Tee oder frühstücken gemeinsam. Unsere Kursleiter sind zum Teil seit über zehn Jahren am Haus, da entsteht auch eine Verbundenheit zwischen Kursbesucher und Kursleiter. Außerdem kennen sich auch die Kursteilnehmer mitunter schon sehr lange und kommen gern gemeinsam hierher. Mütter mit Kleinkindern und Familien beispielsweise, kommen einfach gern, weil wir einen schönen, ruhigen Garten mit kleinem Spielplatz haben.

Hallo Dresden: Bei aller Vielfalt: Was seht Ihr als Kernaufgabe Eurer Einrichtung?
Jana Körner: Wir wollen ein Ort der Begegnung sein und versuchen für alle einen bezahlbaren Zugang zu Kunst und Kultur zu ermöglichen. Vor allem Kinder und Jugendliche sollen sich bei uns kreativ ausprobieren können, sich mit medialen und gesellschaftlichen Themen auseinandersetzen.

Hallo Dresden: Ganz im Sinne des russischen Stifters Fürst Putjatin hätte ich erwartet, dass es einen entsprechenden Fokus gibt: zum Beispiel Kochkurse mit russischer Küche, Sprachlernkurs Russisch oder eine Trachtengruppe…
Jana Körner: Die Herkunft unseres Stifters spielt in unseren Angeboten immer wieder eine Rolle und wird es auch künftig tun. Entscheidend ist aber sein Vermächtnis: Er liebte die Menschen, dachte progressiv und erkannte Bildung und Kultur für jeden als wichtiges Gut. In diesem Sinne verkörpert das Putjatinhaus bis heute humanistische Werte, kulturelle Vielfalt, Neugier, Forschergeist und progressives Denken. Es geht stets um die Frage, wie wir miteinander leben wollen und welche kulturellen und sozialen Bedarfe das Putjatinhaus decken kann; welche Impulse wir geben können.

Jana Körner_c_Putjatinhaus.e.V

Für die Geschäftsführerin Jana Körner ist die Arbeit im Putjatinhaus e. V. eine umfassende Aufgabe, deren Ergebnisse den Nutzern und damit dem Stadtteil zugute kommen.

 

Hallo Dresden: Das Haus öffnet seine Türen auch zur Zschachwitzer Dorfmeile. Was macht diese Tage für das Putjatin-Team so besonders?
Jana Körner: Diese Tage zeigen deutlich, wie stark unser Haus im Stadtteil verankert ist. Wir sind Partner der Dorfmeile und schätzen die Zusammenarbeit sehr. Wir zeigen uns zur Meile allen Besuchern mit unserem bunten Programm. Überall ist was los, im Haus, im Garten, in der Kreativwerkstatt und überall begegnet sich Jung und Alt, lacht und scherzt, hört zu, lernt und probiert sich aus oder genießt einfach nur bei Sonnenschein eine Tasse Kaffee und ein Stück Kuchen.

Hallo Dresden: Von der Tombola der Dorfmeile habt Ihr auch schon profitiert…
Jana Körner: Ja, sogar schon zweimal: Als wir 2012 unseren kleinen Spielplatz neu errichteten, erhielten wir ein Sonnensegel für den Sandkasten. Im letzten Jahr bekamen unsere Kleinkindersportgruppen ein Turntrapez. Diese Unterstützung durch die Dorfmeile ist sehr wertvoll, weil uns die Gelder für solche Dinge oft einfach fehlen. Die Tombola unterstützt viele soziale und kulturelle Projekte hier im Stadtteil. Das ist einfach klasse!

Hallo Dresden: Was habt Ihr in diesem Jahr zur Zschachwitzer Dorfmeile angeboten?
Jana Körner: Wir waren ab 12 Uhr mit dabei. Unsere Kreativwerkstatt war für alle durchgehend geöffnet. Außerdem gab es eine Lesung von Frank Goldammer. Fürst Putjatin und Lehrer Locke gaben sich ebenfalls die Ehre. Am Nachmittag starteten Maria und Karl-Heinz Ludwig mit Frühlingsliedern zum Mitsingen („Der Mai ist gekommen…“). Herr Joachim Liebers war in diesem Jahr mit einem Vortrag zur 114-jährigen Geschichte des Zirkus Sarrasani zu uns kommen. Abgerundet wurde das Programm am frühen Abend mit Kurzgeschichten und Gedichten von Dr. Erich Sobeslavsky. – Im Dezember werden wir auch wieder dabei sein: Mit einem anderen Angebot, an dem wir derzeit feilen.

 

Hallo Dresden: Als Kultureinrichtung und interkultureller Treffpunkt seid Ihr für die Menschen vor Ort täglich präsent. Welches Anliegen würdet Ihr gern noch in Zschachwitz mit oder für die Anwohner umsetzen?
Jana Körner: Wir möchten weiterhin mit Kulturprojekten in den Stadtteil hineinwirken, alle zum Mitmachen begeistern und unseren Beitrag dazu leisten, dass in unserer zunehmend multikulturellen Gesellschaft menschliches und tolerantes Zusammenleben möglich ist, indem wir Raum für Begegnung schaffen: zwischen Geflüchteten, Migranten und Einwohnern. Für uns ist es seit jeher Selbstverständnis, Menschen unterschiedlicher Herkunft in unserem Haus willkommen zu heißen, auch im Sinne unseres Stifters, der selbst als Fremder kam.

Hallo Dresden: Und im Gegenzug: Was wünscht Ihr Euch von den Menschen im Stadtteil?
Jana Körner: Abgesehen davon, dass sie unsere Angebote wahrnehmen… Wir wünschen uns, dass sie das Putjatinhaus weiterhin als einen Ort der Mitgestaltung verstehen. Sie können sich hier einbringen und auch eigene Ideen für Veranstaltungen mit uns umsetzen. Das haben wir in der Vergangenheit immer wieder realisiert, insbesondere, wenn es um geschichtliche Veranstaltungen ging, bei denen auch Zeitzeugen zu Wort kamen. Aber auch das private Musizieren in Kleinzschachwitz hat bei uns immer wieder eine Bühne bekommen. Das freut uns und wir hoffen, dass auch jene die hinzuziehen und nachwachsen ihr schönes Kulturhaus im Blick behalten und wertschätzen.

 


 

Kontakt
Putjatinhaus
Soziokulturelles Zentrum des Fördervereins Putjatinhaus e. V.
Meußlitzer Straße 83
01259 Dresden
Tel: 0351-2011906
kultur@putjatinhaus.de
www.putjatinhaus.de

 

Fotos: Putjatinhaus e. V.