„Wir wollen eine lokale Plattform für Motorrad-Enthusiasten schaffen“

Alte Motorräder sind ihre Leidenschaft. Doch Nico Müller und Sylvia Petrasch machen die in die Jahre gekommenen Maschinen nicht nur wieder fahrtauglich: Sie kreieren ein eigenes Lebensgefühl drum herum. Daher sind die Werkräume von Hookie Co. weniger eine Schrauberwerkstatt als eher ein Szenetreffpunkt – offen, hell und kreativ.

Hallo Dresden: Muss ein Motorrad schon verrostet sein, damit es für Euch interessant wird?
Nico Müller: Rost ist für uns kein Kriterium, ein Motorrad interessant oder spannend zu finden. Unsere Motorradmodelle suchen wir nach Designattributen aus. Wenn jedoch Patina am Motorrad vorhanden ist, versuchen wir diese beizubehalten und in das geplante Design zu integrieren.

Hallo Dresden: Was macht den Charme alter Maschinen aus?
Nico Müller: Zum einen ist es die große Herausforderung Motorräder zum Laufen zu bringen, die zum Beispiel über längere Zeit standen. Darüber hinaus sind es die Modelle an sich, die mit ihrem minimalistischen und puristischen Design unser Herz höher schlagen lassen. Der Charme der Maschinen definiert sich auch über die einfache Mechanik, die heute in dieser Weise sehr stark durch Elektronik und Automatisierung ersetzt bzw. unterstützt wird.

 

Hallo Dresden: Habt Ihr eine Lieblingsmarke?
Nico Müller: Harley Davidson und Yamaha haben es uns angetan, weil sie eine gute Basis sind, um Motorradtypen wie Scrambler, Bobber oder Chopper zu bauen.
Sylvia Petrasch: Nicht nur Motorradmarken sind für uns inspirierend, sondern auch Marken wie beispielsweise DEUS – ein australischer Lifestyle-Brand. Sie verkörpern, was uns antreibt – die Liebe zur Natur und Freiheit. Die amerikanische Marke Poler gehört auch zu unseren Lieblingsmarken, weil sie dieses Gefühl des Ausbrechens aus dem Alltag und von Abenteuer vermittelt.

Hallo Dresden: Wie viele Motorräder stehen zugleich in der Werkstatt?
Nico Müller: Zurzeit haben wir zehn Motorräder in unserer Werkstatt.

Hallo Dresden: Wie lange dauert es, bis ein Hookie Co. Modell auf die Straße entlassen wird?
Nico Müller: Abhängig vom Modell, individuellen Kundenwünschen sowie Maßanfertigungen braucht es zwei bis drei Monate um ein Hookie Co. Motorrad zu erstellen. Dabei durchläuft das Motorrad verschiedene Phasen: Angefangen bei der Beschaffung des Basismotorrads über die Ideenfindung, den Entwurf, der Fertigstellung bis hin zur Zulassung.

Hallo Dresden: Sind es Kundenaufträge, denen Ihr Euch stellt oder sind es Projektideen, die Ihr umsetzen wollt, die dann anderen gefallen?
Nico Müller: Es sind überwiegend Kundenprojekte, an denen wir arbeiten. Der Kunde kann dabei seine Ideen und Vorlieben mit einbringen, um sein individuelles Motorrad zu definieren.
Sylvia Petrasch: Weiterhin arbeiten wir an Konzeptbikes. Das sind Motorräder, die frei umgesetzt werden und lediglich durch die Anforderungen der Straßenverkehrsordnung begrenzt werden. Für uns ist das die reinste Form der Gestaltung von Motorrädern. Mit einem jährlich erscheinenden Kollektionsmotorrad, das einem Thema unterliegt und an Produkte gekoppelt ist, schaffen wir eine Basis für weitere Kundenaufträge. Die Kollektionsbikes präsentieren neue Ansätze des Motorradbaus und sollen gleichzeitig eine Inspiration für andere Motorradbegeisterte sein.

Hallo Dresden: Das Aufarbeiten von Motorrädern ist eine aufwendige handwerkliche Herausforderung. Wie wurde der Designer Nico Müller zum Zweiradmechaniker? Oder war es umgekehrt?
Nico Müller: Diese Frage ist ziemlich einfach zu beantworten: Ich wollte weg vom Schreibtisch und von meinem Bürojob. Durch Kollegen bin ich zum Motorradbauen gekommen. Ich würde gar nicht sagen, dass sich meine Berufsfelder umgekehrt haben. Ich sehe mich auch jetzt immer noch als Designer. Ich entwickle Designlösungen für Motorräder.

 

Hallo Dresden: Und all die Metallarbeiten – wie formen, schweißen, schmieden – machst Du alleine?!
Nico Müller: Ja, ich versuche alles alleine zu machen. Ich möchte mich stets weiterentwickeln und bin auf der Suche nach neuen Herausforderungen. Bevor ich einen Drittdienstleister mit einbinde, versuche ich für das Problem selbst eine Lösung zu finden.

Hallo Dresden: Zum Designkonzept gehören aber nicht allein Chrom und Schmieröl: Hookie Co. arbeitet eng mit Materialkundigen verschiedenster Bereiche zusammen…
Nico Müller: Ja richtig, unser Konzept lebt von unserem Kollektiv aus Freunden, Familie und Kreativen, die uns tatkräftig unterstützen und sich einbringen. In der Werkstatt werden wir nun auch von Christoph unterstützt, der seit März fest bei uns arbeitet. Weiterhin haben wir einen freien Meister.
Sylvia Petrasch: Darüber hinaus erfahren wir großen Support durch befreundete Fotografen, Illustratoren, Grafiker und nicht zu vergessen – unsere Motorradenthusiasten auf der ganzen Welt. All diese Menschen zählen wir zu unserem Hookie Co. Kollektiv. Weiterhin bauen wir Kooperationen mit Lifestyle-Marken und Produkt-Vertretern auf, die uns zukünftig begleiten werden.

Hallo Dresden: Der rege Austausch mit anderen Experten und Kreativen ist Euch wichtig, das zeigt auch Euer, sagen wir mal „Ladenkonzept“: Eure Werkräume sind zugleich Kreativräume, Ruhezone, Treffpunkt und Veranstaltungsareal…
Sylvia Petrasch: Das ist gerade die Idee hinter Hookie Co.: Wir wollten einen Raum schaffen, um all diese Dinge zu kombinieren. Es geht nicht nur um das Bauen der Motorräder, sondern auch um den Austausch Motorradbegeisterter. Wir möchten eine Plattform sein, wo man sich treffen, kennenlernen und auch weiterbilden kann. Ab Herbst wird es bei uns regelmäßige Workshops rund um das Thema Motorrad geben. Weiterhin veranstalten wir Kinoabende, Ausfahrten und andere Events, um die Community zu fördern.

Hallo Dresden: Mit Hookie Co. steht Ihr für eine Lebenseinstellung, die das wertige, individuelle Produkt schätzt. Ihr bietet auch T-Shirts, Taschen und Tee an. Wie passt das zusammen?
Nico Müller: Unser Businesskonzept geht weit über das reine Motorradbauen hinaus. Es schließt das Fahren mit all seinen Erlebnissen und Bedürfnissen ein. Diese wollen wir mit eigenen und fremden Produkten ergänzen. Mit unseren eigens zusammengestellten Tee-Sorten wollen wir beispielsweise den Motorradbegeisterten auch im Winter das Gefühl von Motorradfeeling geben.
Sylvia Petrasch: Wir entwickeln jährlich eine wechselnde Kollektion. Das Motorrad gibt dabei das Thema vor und wir entwickeln und gestalten dazu limitierte Produkte. Diese Produkte sind online sowie bei uns im Garage-Store erhältlich. Zusätzlich bieten wir eine Auswahl an Motorradzubehör an, welches unabhängig von der Kollektion ganzjährig verfügbar ist.

 

Hallo Dresden: Ihr seid in Dresden gut vernetzt. Doch Euer öffentlicher Auftritt ist sehr englischsprachig ausgelegt – scheint sich demnach eher einem internationalen Publikum zu widmen…
Nico Müller: Das stimmt nicht ganz. Wir starteten als internationale Motorradmarke und haben uns stark weiterentwickelt. Unsere Ziele haben sich insofern erweitert, als dass wir zukünftig eine lokale Plattform für Motorradenthusiasten schaffen wollen und eben diese Community damit fördern wollen. Deutsch wird daher in Zukunft auf lokaler Ebene immer mehr angewendet.
Sylvia Petrasch: Genau, die englische Sprache ist uns eine große Hilfe, da sogar Touristen aus Mexiko oder Prag bei uns vorbeischauen und wir so leichter mit Ihnen in Kontakt treten können. Englisch wird also weiterhin die vorrangige Sprache für uns sein, dennoch werden wir Deutsch auch in den Social-Media-Auftritten ergänzen.

Hallo Dresden: Gibt es ein Modell oder einzelne Bauteile, die Du schon immer mal gern in der Hand haben wolltest, um daraus etwas zu bauen?
Nico Müller: Eigentlich gibt es da nichts genau Modellspezifisches. Falls ich jedoch mal eine „Alte Vincent“ in die Hände bekommen sollte, würde mich das schon sehr glücklich machen. Diese hat besondere Bedeutung für mich, weil sie Namensgeber meines ersten Sohnes, Vincent, ist.


 

Kontakt
Hookie Co. GmbH
Großenhainer Straße 137
01129 Dresden
E-Mail: hello@hookie.co
http://hookie.co
#hookieco

Fotos: Hookie Co./Thomas Schlorke (Fest) & David Ohl