Warum Wölfe in Dresden ein Ei jagen

Australian Football – Nein, das ist nicht einfach nur American Football, der in Australien gespielt wird. Das dachten wir jedenfalls anfangs kurzzeitig. Die Frage, wo der Unterschied zwischen den beiden liegt: „Das ist immer ganz schwer zu beantworten, weil es eigentlich eine ganz andere Sportart ist“, sagt dazu Christoph „Chris“ Odenthal. Er ist Vorsitzender der Dresden Wolves – dem ersten Dresdner Australian Football Team.

Wir haben im Zusammenhang mit einem anderen Beitrag von diesem Sport erfahren. Seitdem hat er uns nicht mehr losgelassen. Nach dem Durchstöbern von Wikipedia-Artikeln, der Seite der Australian Football League Germany (AFLG) und der Webseite der Dresden Wolves, haben wir einen Überblick über das Regelwerk gewinnen können – mit American Football teilt sich der australische Ableger tatsächlich nichts außer die Form des Balls – und doch blieben viele Fragen offen. Wie kommt man darauf, wenn man nicht gerade Fußball spielen möchte (was jeder kennt und begreift), sich weder für American Football (was durch die Monarchs in Dresden auch recht bekannt ist) noch für Rugby (da macht es auch noch bei vielen ‚klick‘) – sondern für Australian Football zu entscheiden?

„Normalerweise kommen die Spieler zu dem Sport, weil sie mal in Australien waren und dort die Sportart kennengelernt haben. Bei mir lief es etwas anders: Ich habe drei ältere Brüder, zwei davon waren in Australien und haben die Sportart kennengelernt. Dann haben wir zuerst zu viert ein bisschen im Park gespielt und dann herausgefunden, dass es ein Team in Köln gibt. Ich bin direkt aus Köln und da haben wir dann alle zusammen angefangen zu spielen.“ Chris hat sich bereits eine halbe Stunde vor dem Training mit uns getroffen, damit wir unsere vielen Fragen loswerden können. Unter einem Baum neben dem Rugby-Feld im Ostragehege erwartet uns der junge, schlanke und durchaus sympathisch wirkende Leitwolf.

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Einer passt – mit Faustschlag von unten an den Ball -, der andere fängt: Christoph Odenthal hat den Ball sicher.

 

„Ich bin für mein Studium nach Dresden gezogen und wollte eigentlich weiter für Köln spielen. Ich brauchte aber irgendwie Trainingspraxis. Da hab ich all meine Kumpels gefragt, ob sie Lust haben mit mir zu trainieren und zu spielen. Das hat sich dann so gut entwickelt, dass wir immer mehr wurden und die Skills richtig gut geworden sind. Da dachte ich dann: Eigentlich könnten wir auch selbst in der Liga mitspielen. Das haben wir dann gemacht, jetzt sind wir in der zweiten Saison. In der ersten waren wir Siebter und diesmal sind wir Fünfter geworden, von acht Teams: Köln, Berlin, München, Freiberg, Hamburg, Frankfurt, Stuttgart und wir aus Dresden.“ Auf die Folgefrage, was er denn hier in Dresden studiere, erzählt uns Chris, dass er gelernter Gärtner sei und jetzt im zweiten Mastersemester Landschaftsarchitektur studiere. Das brachte uns wieder kurz zum Schmunzeln, da wir nicht erwartet hätten, dass jemand, der nicht gern auf dem Rasen sitzt und diesen in der Freizeit zertrampelt, Gärtner ist.

Während des Gesprächs trudeln nach und nach die Spieler ein und man merkt immer mehr, dass Chris mit seiner Taktik „die Freunde solange nerven bis sie zum Training kommen“ ziemlich erfolgreich ist. Er selbst ist allerdings der Meinung, dass es doch noch einige Baustellen gibt – beispielsweise bei der Nachwuchswerbung sowie dem Gewinnen neuer Spieler. „Die Idee ist, an Schulen zu gehen und da vielleicht AGs zu bilden. Wir würden uns freuen, wenn wir es schaffen, Jugendteams aufzubauen oder es schaffen, eine Beziehung zur Uni einzugehen. Das ist leider ein bisschen schwierig; Das ist nicht nur unser Problem, sondern auch das des Rugby-Teams zum Beispiel. Im Moment ist es für uns erstmal schwierig, überhaupt genug Leute für die Liga zu haben. Es reicht immer, es sind immer acht bis fünfzehn Leute beim Training, aber es ist nie konstant. Da ist es dann auch nicht leicht, die Aufgaben zu verteilen. Wir wollen schon noch mehr, aber es ist im Moment noch schwer, die Konstanz zu halten. Neue Spieler finden wir vor allem, weil wir und unsere Freunde immer wieder neue Leute fragen.“

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Das war’s an Ausrüstung: Schutzhelme, Polster, Schienbeinschoner – Fehlanzeige! Die Australian Footballer gehen voll auf Körper. Ach so: Wer mag, steckt sich eine Plasteleiste in den Mund, um die Zähne zu schützen.

 

Aber selbst dann: Sind nicht irgendwann die sportlichen Leute, die man kennt, aufgebraucht? „Bei dem Level das wir hier in Deutschland spielen, ist es eigentlich für keinen Neuanfänger ein Problem den Einstieg zu schaffen. Wir haben auch immer wieder Leute, die vorher noch nie Sport gemacht haben. Teilweise dachte ich da: ‚Oh Gott, das ist ja ganz furchtbar‘. Aber ich habe gelernt, dass auch solche Spieler durch Training wirklich gute Australian Football Spieler werden können. Das hätte ich vorher nicht gedacht. Man ist halt irgendwie auf jeden Spieler angewiesen, bisher ist auch jeder gut geworden. Mit genug Training kann es also jeder schaffen.“ Interessenten sollten spätestens jetzt die Ausreden ausgegangen sein, diesen Sport nicht doch mal auszuprobieren.
Mittlerweile sind alle Trainingsteilnehmer anwesend, hinter uns fangen die Wolves bereits an, sich den Ball zuzukicken oder -zuboxen. Das Training scheint demnächst anzufangen. Zeit für ein zwei Fragen bleibt aber noch. Chris ist als Spieler nach Dresden gekommen und hier zwangsläufig zum Trainer geworden, das ist doch eine völlig andere Aufgabe? „Stimmt. Ich wollte eigentlich nie Trainer sein, ich wollte immer nur spielen. Aber es findet sich sonst keiner. Einmal hat sich ein Australier bei mir gemeldet und ich hab mich dann gefreut, dass ich das abgeben kann. Aber er kam leider zu unregelmäßig und hat schließlich auch selbst gesagt, dass er es nicht schaffe; Mittlerweile lebt er in Tschechien. Wir hatten in diesem Jahr auch wieder einen Australier da, der ziemlich gut war. Der hat auch einige Trainingseinheiten gemacht. Der kommt vielleicht in der nächsten Saison wieder und würde dann ein paar Trainingseinheiten geben. Ein Australier, der das im Blut hat und seit dem sechsten Lebensjahr spielt, der kann das immer noch besser als ich, der ich mit 18 angefangen habe.“
Ganz ohne Australier scheint der Sport also nicht auszukommen, das zeigt auch Christophs Wunsch für die Zukunft seines Teams: „Ich wünsche mir, dass wir – vielleicht drei – Australier bekommen, die richtig gut spielen können. Damit würden wir direkt einen Riesenschritt in der Entwicklung machen. So würden wir vielleicht auch mal in ein ‚Grand Final‘ kommen und hätten die Chance das zu gewinnen. Mit Köln ist mir das mehrfach gelungen. Dort gibt es viele sehr gute Australier und gute Deutsche. Bei uns gibt es viele sehr gute deutsche Spieler, aber man merkt einfach, wenn das jemand spielt, seit er ein Kind war. Es läuft so ja auch schon sehr gut, aber dann würde es noch besser gehen.“

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Chris (links in schwarz-gelb – eben doch auch Dresdner)  macht jeden fit.

 

Nun aber mal Butter bei die Fische, – nein, kein guter Spruch, haben doch die „Fischköppe“ den Wolves erst kürzlich ganz schön zugesetzt: Beim Halbfinale der AFGL Anfang Juli in Dresden haben die Hamburg Dockers mit ihrem 165-zu-13-Sieg die Wolves deutlich in die Prärie geschickt und gezeigt, wer an der Elbe das Sagen hat – leider.
Jetzt geht das Training los. Zur Erwärmung: Joggen um den Platz. Als wir die Zeit nutzen wollen, um ein paar Fotos des Teams zu machen, fällt uns beinahe die teure Kamera aus der Hand – denn plötzlich springen alle in die Luft und schreien laut „UP!“. Die Kamera überlebt und ein gutes Foto ist auch dabei rumgekommen. Jan, heute „Aufwärmleiter“, gibt die Kommandos: up, right, left. Nach dem entsprechenden Kommando springen die Teammitglieder in die Luft oder berühren rechts bzw. links von sich den Boden, während sie lautstark das Kommando wiederholen. – Verstanden.

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So kommt das Rudel in Schwung: Up, Right, Left.

 

Weiter geht es mit Dehnübungen, bisher also wie bei nahezu jeder anderen Sportart, wobei wir uns doch fragen, ob wir bei den Übungen soweit herunter kämen. Im Anschluss übt das Team die spezielle Passform – den Handpass durch Boxen des Balls. Die Aktivität nimmt auf dem Feld auf jeden Fall enorm zu, die Wolves üben Handpässe und Kicks und während wir versuchen diese Stimmung in Bildern einzufangen, müssen wir aufpassen nicht abgeschossen oder umgerannt zu werden. Den Umgang mit dem eiförmigen Ball haben die Jungs aber raus. Einmal eingespielt werden die meisten Bälle gefangen. Im Spiel ist das, laut Chris, etwas anders: „In der AFLG, der deutschen Liga werden die Bälle nicht so oft gefangen wie in der australischen Liga – die Skills sind dort einfach klar besser“. Aber dass Australian Football zurecht Australian Football heißt, haben wir ja bereits gelernt.

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Beim Training klappt es mit dem Fangen. Kurz nachdem der Ball gefangen ist, wird er abgespielt: Per Faustschlag von unten, per Fußtritt oder durch Weitergabe Mann-zu-Mann.

 

Nach einer Stunde kapitulieren wir, so viel Körpereinsatz und Laufbreitschaft wie die Wölfe sie aufbringen, sind wir einfach nicht gewohnt, auch wenn es nur um das Fotografieren geht. Die Sportart macht aber in jedem Fall Lust auf Mehr. Spiele bzw. Spieltage werden oft mit einem gemeinsamen Grillabend beendet und auch sonst hat man das Gefühl, es herrschen weder Verbissenheit noch Konkurrenzdruck, sondern jeder spielt, weil es ihm Spaß macht.
Wenn Du also schon immer mal im Verein einen Sport machen wolltest, Dich aber bisher nicht getraut hast, weil Du Dich zu alt fühlst für den Einstieg in eine neue Sportart – dann auf zu den Wolves! Das Alter der Spieler liegt momentan zwischen Anfang 20 und Mitte 30; die Dresden Wolves freuen sich aber auch über junge Küken und alte Hasen, um aus ihnen gestandene Wölfe zu machen. Der Vorteil von Australian Football gegenüber American Football, zum Beispiel, ist nämlich der: „Es ist besser und macht mehr Spaß“, sagt Coach Odenthal. Durch viele schnelle Kämpfe um den Ballbesitz und kraftvolle Tackles ist zudem mehr Bewegung auf dem Feld – und körperbetonter als Fußball ist es ohnehin. Chris und die anderen Spieler erklären Dir beim Training auch gern – und besser als wir es hier könnten – die genauen Regeln des Spiels. Für diejenigen von Euch, die schon vorher mehr wissen wollen: Es gibt ja immer noch den Wikipedia-Eintrag.

 


 

Kontakt
Dresden Wolves
Unterabteilung des Rugby Cricket Dresden e.V.
Homepage: http://dd-wolves.jimdo.com/der-verein/
Facebook: https://www.facebook.com/DresdenWolves/

Training:
Montag und Mittwoch ab 18.30 Uhr, Rugbyfeld im Ostragehege

 

Fotos: SachsenVerlag