Von „Kuh-Löbte“ zur größten Industriegemeinde Sachsens

Hallo Dresden hat sich auf die Spuren der Wirtschaftsgeschichte einzelner Stadtteile begeben. Im fünften Teil unserer Reihe streifen wir Kuhwiesen, erhaschen einen Blick auf Süßes und erfahren etwas über Löbtaus grüne Oasen. 

Ursprünglich war Löbtau ein beschauliches Bauerndorf und trug wegen der vielen Kuhweiden am Westhang der Weißeritz auch den Namen „Kuh-Löbte“. Schon im 16. Jahrhundert führte bei Löbtau eine Brücke über die Weißeritz und verlieh dem Dörfchen eine strategisch günstige Lage. An der Weißeritz war es auch, wo sich die ersten Manufakturen und die Bienertmühle ansiedelten – letztere allerdings auf Plauener Flur. Mit dem Bau der Eisenbahnlinie Richtung Freital und Chemnitz setzte schließlich die Industrialisierung in Löbtau und Plauen ein. Eine Vielzahl von Fabriken siedelte sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts entlang der Tharandter Straße, einem Stück der Freiberger Straße sowie der Löbtauer Straße an. Sie machten das einst beschauliche Löbtau, bis zu seiner Eingemeindung nach Dresden 1903, zur größten Industriegemeinde Sachsens. Hier hatten sich die verschiedensten Branchen niedergelassen, es dominierten jedoch Betriebe aus der Nahrungs- und Genussmittelindustrie. Da bei der Herstellung von Süßwaren und anderen Lebensmitteln viel geschickte Handarbeit gefragt war, fanden sehr viele Frauen in den Löbtauer Fabriken Anstellung.

So auch bei „Petzold & Aulhorn“, einer der damals größten deutschen Schokoladenfabriken. 1837 als Konditoreigeschäft gegründet, ließ sich der Betrieb 1897/98 in Löbtau nieder. Mehrere Hundert Beschäftigte stellten hier unter den Marken „PEA“ und „Deutschmeister“ eine umfangreiche Palette an Schokoladen, Lebkuchen und Waffeln her. Diese wurden nicht nur in eigenen Läden in Dresden, Berlin und Umgebung verkauft, sondern auch nach Übersee exportiert. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Firmengelände allerdings so stark zerstört, dass „Petzold & Aulhorn“ den Betrieb nicht wieder aufnahm.

Bekannt für Süßwaren war außerdem die ab 1862 in Löbtau ansässige Fabrik „Lobeck & Co“. Deren Angestellte produzierten eine breite Palette an Lebensmitteln: Von Makkaroni über Wiener Teewaffeln und Karamellbonbons bis hin zu Orangeat. Besonders bekannt war das Unternehmen, welches das Schokoladenmädchen als Marke nutzte, für sein entöltes Kakaopulver. „Lobeck & Co.“ exportierte seine Erzeugnisse nicht nur nach ganz Europa, sondern bis nach Australien. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Betriebsgelände stark beschädigt. Zu DDR-Zeiten zog ein Elektromaschinenbaubetrieb ein. Heute befindet sich an dieser Stelle ein Gründer- und Gewerbezentrum.

 

Neben Süßwarenfabriken hatten auch einige Brauereien ihren Sitz in Löbtau. Am Bekanntesten ist sicherlich die 1868 gegründete Reisewitzer Brauerei, die um die Jahrhundertwende herum jährlich bis zu 80.000 Hektoliter Bier braute. Der Name „Reisewitz“ geht auf den Reisewitzer Garten zurück, der mit seinem prachtvollen Baumbestand und Laubengängen am Fluss im 19. Jahrhundert ein beliebtes Ausflugsziel der Dresdner war. Zu der Brauerei gehörten neben einer Gastwirtschaft auch eine Ziegelei sowie ein Bauernhof, um die Brauereipferde zu versorgen. 1932 übernahm die Felsenkellerbrauerei schließlich das Unternehmen. Kurz darauf stellte die Reisewitzer Brauerei den Betrieb ein.

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Neben den Industriebetrieben lässt sich das damalige Löbtau vor allem als dicht besiedelte Arbeiterschlafstadt charakterisieren. Um die Lebensbedingungen zu verbessern, legte die Gemeinde um 1900 kleine Grünanlagen an. Auch ein Volksbad wurde gebaut. Typisch für Löbtau ist außerdem die Kesselsdorfer Straße, die sich ab der Kaiserzeit zur geschäftigen Einkaufsmeile entwickelte.


Dieser Beitrag ist entstanden mit Unterstützung der AG Löbtauer Geschichte. Die Mitglieder der AG halten noch viele Geschichten parat und freuen sich über die Unterstützung weiterer Geschichtsinteressierter.

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Die Arbeitsgruppe Löbtauer Geschichte gründete sich im Januar 2014 und zählt derzeit fünf Mitglieder. Die Schirmherrschaft übernahm der Verein für Wissenschaftler und ingenieurtechnische Mitarbeiter Dresden, kurz WIMAD e.V. Die Mitglieder der Arbeitsgruppe sammeln und forschen zur Geschichte des Stadtteils, und bieten ab Herbst 2015 auch Führungen durch Löbtau an.

Kontakt:
E-Mail WIMAD e. V.: wimad-ev@t-online.de
E-Mail AG Löbtauer Geschichte: geschichte@loebtau.org
Internet: AG Löbtauer Geschichte

Fotos: Archiv WIMAD e. V. (Lobeck & Kuntsch),  SLUB/Digitale Sammlungen (Fabrik-Ansichten)