„Wenn die Kinder wirklich tanzen wollen, dann bleiben sie“

Was mit einer Notlösung anfing, ist längst zu einem etablierten Bewegungsangebot geworden: Ein Tanztraining schon für Vorschulkinder, das sich bis ins Jugendalter der Kinder fortsetzt. Regie führt Anne Hirsch. Hallo Dresden hat mit ihr gesprochen.

Hallo Dresden: Hallo Anne, ein Tanzangebot extra für kleine Kinder. Ist das nicht übertrieben? Die Kleinen sind doch sowieso ständig in Bewegung.
Anne Hirsch: Ich freue mich, wenn ich Kinder bei mir habe, die auch sonst viel körperlich aktiv sind. Nur leider ist das nicht allen vergönnt. Manche Kinder haben Probleme, sich frei und gleichzeitig koordiniert zu bewegen.

Hallo Dresden: Und was kannst Du da tun?
Anne Hirsch: So viel! Das ist das Herrliche an meiner Arbeit! Oft wird Kindern gesagt, sie könnten nicht tanzen – aus unterschiedlichen Gründen. Und wenn die Kinder dann hier sind, entwickeln sie von Woche zu Woche Fähigkeiten, über die wir alle staunen. Ich hatte bisher noch kein Kind, das nicht tanzen konnte. Sicher, manche brauchen länger, um bestimmte Bewegungen und Rhythmen anzunehmen. Wir üben keine standardisierten Tanzschritte ein. Der Hauptaspekt liegt darauf, sich zu Musik zu bewegen und unterschiedliche Spielarten des darstellenden Tanzes umzusetzen. Farben und Jahreszeiten, Klänge, Formen und Geschichten bilden die zentralen Pfeiler für unsere Bewegungsstunden. Aber das wichtigste, was in jeder Stunde zählt, dass wir alle Freunde daran haben, zur Tanzgruppe zu kommen.

Der Tanz ist der gleiche, die Choreografie ist die gleiche - ein harmonisches Gesamtbild, in das sich dennoch jede Tänzerin mit ihrem Charakter einbringt.

Der Tanz ist der gleiche, die Choreografie ist die gleiche – ein harmonisches Gesamtbild, in das sich dennoch jede Tänzerin mit ihrem Charakter einbringt.

 

Hallo Dresden: Sind die Kinder denn dabei überhaupt die Entscheider? Ist es nicht eher so, dass die Kinder kommen, wenn die Eltern wollen oder Zeit und Geld dafür haben?
Anne Hirsch: Das ist unterschiedlich. Oft kommen Kinder, weil sie es sind, die gern tanzen wollen. Aber natürlich kommen Kinder oft zu mir, wenn die Eltern es als „gut“ erachten.

Hallo Dresden: Und diese Kinder kommen dann gern immer wieder?
Anne Hirsch: Es geht nur so. Wenn Kinder kommen, weil sie kommen müssen oder sollen, dann wird das auf Dauer nichts. Denn ich bringe hier die Kinder in Bewegung, damit sie Talente und Stärken an sich entdecken. Wir sind hier mit Freude dabei und auch mit einem gewissen Grad an Disziplin. Wenn die Kinder wirklich tanzen wollen, dann bleiben sie. Ich habe Tänzerinnen in meinen Gruppen, die sind schon seit zehn Jahren dabei, haben als Vorschulkinder angefangen und proben heute noch mit Eifer, Elan und Freude immer wieder neue Inszenierungen ein.

Hallo Dresden: Du trittst mit den Kindern also auch auf?
Anne Hirsch: Ich stehe nicht auf der Bühne. Ich bin die Frau im Hintergrund. Seit vielen Jahren schon schreibe ich eigene Märchen für die Bühne, probe diese mit den Kindern und bin ihre Regisseurin für die Aufführungen. Wir proben etwa ein halbes Jahr vor jeder Aufführung und zeigen die aktuellen Stücke rund ein Jahr lang bei unterschiedlichen Veranstaltungen. Die Kinder bringen sich ein und sind einfach wunderbare Botschafter für die tiefe Weisheit in den Stücken, in denen es oft um Achtsamkeit für die Umwelt und den Umgang mit Menschen geht.

Kostüme und Bühnenbild sind schlicht. Und die Tänzerinnen zufrieden: Sie haben lange geprobt und dürfen ihre Ergebnisse vor Publikum aufführen.

Kostüme und Bühnenbild sind schlicht. Und die Tänzerinnen zufrieden: Sie haben lange geprobt und dürfen ihre Ergebnisse vor Publikum aufführen.

 

Hallo Dresden: Was ist die Motivation bei Dir und den Kindern, solche Projekte immer wieder anzugehen?
Anne Hirsch: Wie schon gesagt: Die Kinder tanzen gern und sind stolz etwas vor Publikum zu zeigen. Bei ihnen ist es ganz stark ein Wachstumsprozess. Die Erfahrungen, die sie dabei machen, prägen die Kinder. Wir arbeiten über einen recht langen Zeitraum an dem Stück, die Kinder finden ihre Rolle, fühlen sich ein und prägen das gemeinsame Schaffen. Und am Ende bekommen sie zudem noch Anerkennung auf der Bühne. Das ist immer auch eine große Portion Selbstbestätigung für das, was sie sich erarbeitet haben. Und sie behalten in Erinnerung, wie sehr ihnen auch die Vorbereitung Freude bereitet hat. Ich achte darauf, dass wir das Stück nicht der Aufführung und des Applauses wegen einüben. Der gesamte Entstehungsprozess ist für mich die große Faszination dabei.

Hallo Dresden: Ich danke Dir für das Gespräch und wünsche noch viel schöne Stunden mit den Kindern!
Anne Hirsch: Oh, die werde ich sicher haben. Danke sehr!

 


Übungsort:

VYANA YOGAloft
Kleine Straße 1
01257 Dresden

E-Mail: tanz.dialog@gmail.com
www.kindertanz-gruppe-dialog-dresden.de

 

Fotos: Archiv Anne Hirsch