ichhelfe.jetzt - die Plattform die Helfer und Hilfsorganisationen zusammenbringt.

„Am meisten beeindruckt uns die Vielfalt der angebotenen Hilfe“

Wann, wenn nicht jetzt?! Aber, wie? Was kann ich tun oder was kann ich abgeben, das Flüchtlingen hilft, in Dresden anzukommen? Die Möglichkeiten sind vielgestaltig doch mit den eigenen Talenten beim richtigen Ansprechpartner zu landen, meist sehr aufwendig. Der Verein „Dresden – Place to be” setzt hier an und bringt Helfer und Hilfsorganisationen auf der Internetseite „ichhelfe.jetzt“ zusammen. Projektleiter Johannes Bittner kümmert sich um die Angebote von Zeit-, Sach- und Geldspenden.

Hallo Dresden: Ihr gliedert die Spendenbereiche in Zeitspende einerseits, in Sachspende andererseits. Was zeigt die Erfahrung: Sind die Menschen eher bereit, Zeit zu teilen oder Dinge abzugeben?
Johannes Bittner: Viele unserer Nutzer bieten sogar beides an: ihre Zeit und gleichzeitig ihnen verfügbare Sachspenden. Und das ist gut für die Hilfsorganisationen und -netzwerke, die unsere Plattform nutzen, denn der Bedarf ändert sich sehr dynamisch. Im vergangenen Jahr wurden vorwiegend schnell verfügbare freiwillige Helfer benötigt. Aktuell werden eher Helfer, gesucht, die sich regelmäßig – zum Beispiel bei Sprachkursen oder Integrationstreffen – engagieren wollen. Und auch Sachspenden werden zunehmend angefordert, etwa zur Einrichtung von Wohnungen.

Hallo Dresden: Beispiel Dresden: Welche Hilfsorganisationen bekommen meine Daten von euch zugesandt?
Johannes Bittner: Das sind alleine in Dresden und Umgebung über 40 Netzwerke und Vereine – vom Deutschen Roten Kreuz über den Caritasverband bis hin zu Willkommensbündnissen, beispielsweise in Johannstadt. Eine vollständige Liste aller registrierten Hilfsorganisationen ist stets online bei uns verfügbar.

Hallo Dresden: Was machen die Hilfsorganisationen mit den Informationen?
Johannes Bittner: Die registrierten Hilfsorganisationen haben zwei Möglichkeiten, die angebotenen Spenden zu nutzen: Entweder loggen sie sich in unsere Datenbank ein, suchen die aktuell benötigten Spendenangebote und kontaktieren die Spender anschließend. Alternativ können die Organisationen aber auch Suchaufträge für bestimmte Zeit- oder Sachspenden anlegen. Dann werden sie von uns per E-Mail kontaktiert, sobald ein passendes Spendenangebot eintrifft – und können ebenfalls direkt Kontakt zum Spender aufnehmen.

Hallo Dresden: Ihr fragt im Bereich der Zeitspende unter „Sport und Freizeit“, ob der Helfer Fahrräder reparieren kann. Warum ist das so wichtig?
Johannes Bittner: Wir möchten möglichst genau erfassen, welche einzelnen Kompetenzen ein freiwilliger Helfer hat – denn oft werden Freiwillige für eine ganz spezifische Aufgabe gesucht. Und da es viele Sachspender gibt, die zwar Fahrräder abgeben wollen, diese jedoch reparaturbedürftig sind, werden eben auch Fahrrad-Experten benötigt.

Dr. Johannes Bittner ist studierter Mediziner. Inititativen wie ichhelfe.jetzt sieht er als wichtiten Beitrag für eine bessere Welt.

Dr. Johannes Bittner ist studierter Mediziner. Inititativen wie ichhelfe.jetzt sieht er als wichtigen Beitrag für eine bessere Welt.

 

Hallo Dresden: Bekommt ihr Rückmeldungen von den Spendern, wie es ihnen an ihren Einsatzstellen ergangen ist?
Johannes Bittner: Meist hören wir leider wenig von den vermittelten Zeit- und Sachspendern, da diese nur noch im direkten Kontakt mit den jeweiligen Hilfsorganisationen stehen. Vereinzelt gibt es aber schöne Rückmeldungen: „Nun freue ich mich, helfen zu können“, zeigt uns zum Beispiel, dass wir unser Ziel erreichen.

Hallo Dresden: In welchem Bereich steckt Deiner Meinung noch Potential – wo könnten die Menschen noch mutiger damit sein, die in ihnen schlummernden Fähigkeiten einzubringen?
Johannes Bittner: Vielen Menschen wird ihre Hilfsbereitschaft gerade dann bewusst, wenn um sie herum eine akute Notsituation entsteht. Daher konnten wir im vergangenen Jahr extrem viele Spendenangebote erfassen, die noch heute sehr wichtig für die Hilfsorganisationen sind. Wir wünschen uns aber, dass noch mehr Menschen ihre Hilfsbereitschaft auch außerhalb akuter Krisen äußern – und sich vielleicht sogar jetzt direkt als Spender registrieren. Auch, wenn ihre Hilfe vielleicht gar nicht oder erst viel später in Anspruch genommen wird.

Hallo Dresden: Was ist eine „Patenschaft“?
Johannes Bittner: Patenschaften können unterschiedlichster Natur sein und werden von Hilfsorganisationen auch verschieden interpretiert. In der Regel geht es darum, einen einzelnen Geflüchteten über längere Zeit zu begleiten und somit in unsere Gesellschaft zu inkludieren. Meiner Meinung nach sind Patenschaften der wirkungsvollste Ansatz, um langfristig Integration zu ermöglichen.

Hallo Dresden: Abseits von der Auswahlliste: Welche Unterstützung bieten die Menschen an?
Johannes Bittner: Am meisten beeindruckt uns die Vielfalt der angebotenen Hilfe: Journalisten bieten an, Geflüchteten eine Stimme zu geben; Mütter wollen Krabbelgruppen organisieren; Familien bieten Fahrdienste an; Musiklehrer wollen Musikgruppen bilden. Und dennoch gibt es auch ganz besondere individuelle Angebote – zum Beispiel das des Rentners, der einen fußballbegeisterten Geflüchteten gerne mit zu einem Dynamo-Spiel nehmen möchte!


Kontakt
ichhelfe.jetzt
Ein Projekt des
Dresden – Place to be e. V.
Tatzberg 47
01307 Dresden
E-Mail: kontakt@ichhelfe.jetzt
Telefon: 0351 26441118
https://ichhelfe.jetzt

Foto: (c) Johannes Bittner