„Ich bewundere täglich diesen Anpassungskünstler Hund“

Kai Hartmann sieht sich als Berater und Begleiter für Menschen mit Hunden. Sein Ansatz ist tiefgreifend und fordert vor allem dem Menschen mitunter viel ab, sei er es doch, der sich ändern müsse bevor der Hund sein Verhalten ändere – und beide eine gelingende Beziehung miteinander führen können.

Hallo Dresden: Wenn es nötig ist, zu Dir zu kommen um eine feste, alltagstaugliche Beziehung zum eigenen Hund aufzubauen, muss es irgendwo nicht ganz rund laufen.
Kai Hartmann: Das größte Problem ist die Leinenführigkeit: Der Hund will da hin und der Mensch will dort hin. Meist ist das nur das Symptom, das sichtbar wird und den Menschen stört, die Ursache liegt oft ganz wo anders. So verhält es sich mit fast allen Problemen, bei denen ich aufgesucht werde.

Hallo Dresden: Was kann das zum Beispiel sein?
Kai Hartmann: Da sind Hunde, die andere Hunde beißen oder sogar ihre eigenen Menschen verletzen. Hunde, die nicht alleine bleiben können oder Hunde, die allen Reizen sofort nachsetzen. Was nicht passt, regelt immer die Individualität der Mensch-Hund-Gruppe selber. Was den einen stört, findet der andere wunderschön. Ein großer Spielplatz der Gefühle.

Hallo Dresden: Was kannst Du zu dieser Beziehung beitragen?
Kai Hartmann: Indem ich es schaffe, den Menschen zu erreichen und er es zulässt, dass er einige seiner Ansichten und Gewohnheiten hinterfragt. Ich stelle meinen Blick als Außenstehender zur Verfügung, um die Dinge, die der Mensch nicht mehr wahrnimmt, für das Mensch-Hund-Team sichtbar zu machen. Von einem ersten Treffen, über die Anamnese, bis hin zur Vermittlung der Lerntheorien sowie deren praktischer Umsetzung im Alltag reicht dabei meine Arbeit mit dem Mensch-Hund-Team, damit sich beide verstehen. Ich helfe, damit sie so ganz schnell viele gemeinsame, schöne Momente erleben können.

Hallo Dresden: Und auf wessen Eigenheiten musst Du mehr eingehen – auf die der Zweibeiner oder die der Vierbeiner?
Kai Hartmann: Bei mir steht der Mensch im Mittelpunkt. Der Hund schließt sich in der Regel gern an, wenn sein Mensch ihn sicher führt und klare, eindeutige Strukturen anbietet, in denen er Sicherheit findet.

Hallo Dresden: Musstest Du schon mal einen Hund – oder sein Herrchen bzw. Frauchen – ablehnen?
Kai Hartmann: Ja, das passiert ab und an auch. Wenn ich merke, dass der Mensch nur einen Knopf sucht, über den er seinen Hund bedienen kann und nicht bereit ist, sich – und zwar zum größeren Teil – in diese Mensch-Hund-Gruppe einzubringen, dann macht eine Zusammenarbeit mit mir keinen Sinn; für alle drei Seiten.

Hallo Dresden: Gerade in städtischen Räumen wie Dresden – wie lassen sich hier die Interessen von Mensch und Hund unter einen Hut bringen?
Kai Hartmann: Das ist ein wichtiges Thema, das Du da ansprichst. Aus meiner Sicht benötigt der Hund viel Ruhe und keine allzu menschliche Betrachtungsweise seiner genetischen Anlagen. Damit werden wir ihm nicht gerecht.

Hallo Dresden: Soll heißen?
Kai Hartmann: Der Hund ist kein Ersatz für menschliche, emotionale Defizite und kann mit unseren Betrachtungsweisen nichts anfangen. Das reicht von: „Die regeln das schon unter sich“ bis zum „Die müssen doch mal spielen“. Dabei werden Hunde in Situationen geführt, die nur eine Befriedigung der menschlichen Ideen sind – so lange bis es knallt – und keiner hat es kommen sehen. Der Hund ist ein Beutegreifer und so müssen wir ihn sehen und ernst nehmen.

Hallo Dresden: Das heißt, Deine Empfehlung ist hier?
Kai Hartmann: Die gemeinsame Zeit sollte wertgeschätzt werden und den Motivationen des Hundes angepasst sein. Hier beginnt es schon bei der Auswahl der passenden Rasse. In unserer Welt muss der Hund mittlerweile sehr viel leisten. Ich bewundere täglich diesen Anpassungskünstler Hund – wir Menschen würden, so glaube ich, oft scheitern.

Hallo Dresden: Nach dem Motto „Wehret den Anfängen…einer schlechten Beziehung“. Kannst Du hier unterstützen?
Kai Hartmann: Es freut mich immer ganz besonders, wenn die Menschen mich schon aufsuchen, bevor der Hund einzieht! Am besten schon während der Ideenfindung, welcher Hund es denn sein wird. Ein Patentrezept zur Auswahl gibt es nicht. Jeder Hund ist ein ganz wunderbarer Begleiter in den richtigen Händen und mit dem nötigen Wissen und Können auf Seiten des Menschen.

Hallo Dresden: Was hältst Du von Hunden aus dem Tierheim? Gibt es hier einen besonderen Betreuungsbedarf oder lässt sich das nicht verallgemeinern?
Kai Hartmann: Auch hier kannst du nichts pauschalisieren. Meine Erfahrungen zeigen jedoch, dass je auffälliger der Hund sich schon im Tierheim zeigt und je weniger über seinen Lebenslauf bekannt ist, umso hundeverständiger sollten die Menschen sein, damit nicht unendliches Leid erzeugt wird – für den Menschen und für den Hund. Dazu gehört bei solchen Hunden viel Zeit, viel Geduld, viel Wissen und es kann gegebenenfalls auch ein nötiges finanzielles Polster nötig sein.

Hallo Dresden: Ein finanzielles Polster? Wofür das?
Kai Hartmann: Auf der einen Seite für medizinische Betreuung des neuen Wegbegleiters und auf der anderen Seite für eine professionelle Unterstützung zur Integration in das Leben, abseits vom Tierheim. Nur ein starker Wille, etwas Gutes zu tun, reicht manchmal auf der Seite des Menschen bei weitem nicht aus. Es kann schnell sein, dass hier einige Stunden, Monate, Jahre ins Land gehen, wo eine Begleitung durch eine Trainer oder Berater nötig sind, der das Team unterstützt.

Hallo Dresden: Abschließend noch: Wo gehst Du am liebsten mit dem Hund nach draußen?
Kai Hartmann: Meine Lieblingsrunde liegt ein wenig außerhalb. In der Dippoldiswalder Heide, rund um die Heidemühle bin ich gern unterwegs. Im Sommer finden sich zahlreiche Möglichkeiten zum baden und im Winter ist es nicht weit bis ins Erzgebirge. Am allerliebsten bin ich mit den Hunden in den Bergen, und das im Winter. Da geht mir echt das Herz auf!

 


 
Kontakt:
Kai Hartmann
Hundetrainer Dresden
Bamberger Straße 33
01187 Dresden
Telefon: 0351 42643160
E-Mail: info@hundetrainer-dd.de
www.hundetrainer-dd.de

 

Fotos: Isabel Hartmann (www.objektsuchhunde.de)
Foto Portrait (ganz unten): Katja Zipser