„Nach einem langen Arbeitstag kommen Hunde leider oft zu kurz“

Hunde haben ihre eigene Persönlichkeit und ihre eigene Sprache. Um hier als Herrchen bzw. Frauchen mitreden zu können, braucht es Übung. Axel Reichert beschäftigt sich intensiv mit der Tier-Mensch-Beziehung. Als Tierpsychologie und Hundeschulleiter unterstützt er Menschen dabei, für eine artgerechte Haltung und eine stressfreie Beziehung der Haustiere zu sorgen.

Hallo Dresden: AnimalManShip – warum braucht es diesen englischsprachigen Ausdruck, um zu beschreiben, was Du machst?
Axel Reichert: Mit AnimalManShip umschreibe ich das Handwerk – den Umgang mit Tieren. Ich lege Wert auf die Beziehungen zwischen Menschen und ihren Tieren. So helfe ich Menschen, die Unterstützung im Verständnis ihrer Haustiere brauchen. Manchmal muss ich „dolmetschen“, um den Haltern die Gründe für das unerwünschte Verhalten ihres Tieres nahezulegen. Denn meist liegen die Ursachen für Probleme wie Stubenunreinheit, Aggression, Ungehorsam etc. im falschen Umgang zwischen Mensch und Tier, da der Mensch das Haustier nicht versteht.

Hallo Dresden: Welchen Weg empfiehlst Du Menschen, die mit ihren Hunden ein harmonisches und stressfreies Mensch-Tier-Verhältnis schaffen möchten?
Axel Reichert: Wenn man selbst keine Erfahrung hat oder merkt, dass es Schwierigkeiten gibt, sollte man sich helfen lassen. Natürlich muss man seinem Haustier die Zeit und Aufmerksamkeit schenken, die es benötigt und dabei Freund und Begleiter bleiben. Aber auch ein für das Tier verständlicher Umgang ist sehr wichtig.

Hallo Dresden: Und den muss der Zweibeiner erst lernen?
Axel Reichert: Ganz genau! Das Verhalten der Tiere ist immer ein Spiegel der Haltung und des Verständnisses des Menschen für sein Haustier.

Hallo Dresden: Wie kannst Du hier unterstützen?
Axel Reichert: Ich lerne zunächst Mensch und Tier kennen, beobachte sie, sehe die Ursachen und erkläre dann, wo die Auslöser für die Probleme liegen. Erst dann kommt der Lösungsweg.

Hallo Dresden: Gerade in städtischen Räumen wie Dresden – wie lassen sich hier die Interessen von Mensch und Hund unter einen Hut bringen?
Axel Reichert: Hunde sind Rudeltiere. Für sie ist es sozialer und körperlicher Stress, wenn sie zum Beispiel lange alleine zuhause bleiben müssen. Denn sie brauchen ihr „Rudel“, dazu viel Bewegung mit Spielen und Aufgaben. Nach einem langen Arbeitstag kommen Hunde dann leider oft zu kurz, weil sich Mensch nicht genügend Zeit nimmt, dem Tier zu helfen, den Stress wieder abzubauen. Man muss sich die Zeit nehmen, mit dem Hund ausreichend spazieren zu gehen – da wo Hunde frei laufen können. Aber auch Aufgaben und Beschäftigungen brauchen Hunde. Sicher, man kann nicht alle Hunde über einen Kamm scheren: Manche brauchen mehr – andere geben sich mit weniger zufrieden.

Hallo Dresden: Deine Empfehlung für Hundeliebhaber: Welchen Vierbeiner sollten sich die Dresdner für ihr Zuhause auswählen?
Axel Reichert: Das kommt auf den Menschen, die familiäre Situation, die Erfahrung, die Zeit, die man hat und vielen anderen Faktoren an. Wer dazu Fragen hat, kommt am besten mal zu mir, dann können wir gemeinsam klären, in welche Richtung sich eine erfüllte Beziehung entwickeln kann.

Oscar und Jess sind ihrem Herrchen Axel Reichert dankbar: Der zertififizierte Tierpsychologe wendet auch zuhause an, was er weiß.

Hallo Dresden: Was hältst Du von Hunden aus dem Tierheim?
Axel Reichert: Es ist schön, wenn Hunde aus Heimen in eine liebevolle Familie kommen. Aber besonders da muss man schauen, ob es passt. Ein Hund aus dem Heim hat in der Regel schon seine Lebenserfahrungen gemacht und fügt sich manchmal schwerer in neue Umgebungen ein, als beispielsweise ein Welpe, den man nach seinen Vorstellungen fördern kann. Doch da die Tierheime leider generell überfüllt sind, wird jeder Hund dankbar sein, wenn er das Tierheim verlassen und in einem netten „Rudel“ leben kann.

Hallo Dresden: Welche Gassi-Strecken kannst Du für die Dresdner mit ihren Hunden empfehlen?
Axel Reichert: In öffentlichen Parks gilt meist Leinenzwang, das ist auch okay. Menschen ohne Hund, die in Ruhe ihr Picknick im Park machen wollen, finden dort einen Platz. Dresden hat zum Glück viel Auslauffläche, wie die Elbwiesen, die Heide etc. Und egal, wo man aus Dresden rausfährt: Es kommt Natur! Man muss nur aufpassen, dass die Hunde niemanden belästigen. Aber bei einem vernünftigen, sozialisierten, ausgebildeten und richtig gehaltenen Hund, sollte das nirgendwo ein Problem sein.

 


Axel Reichert
Ausbildung & Erfahrung
– Studium der Biologie Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
– Studium/Ausbildung zum Tierpsychologen und Tierhomöopathen an der Akademie für Tiernaturheilkunde in der Schweiz
– Ausbildung zum Hundeerzieher und Verhaltensberater (IHK)
– mehr als 10 Jahre berufliche Erfahrung mit vielen tausend Hundeschulstunden und vielen tausend Hunden
– viele Praktika


 

Kontakt:
AnimalManShip
Tierpsychologie & Hundeschule
Axel Reichert
Radeberger Straße 3
01099 Dresden
Telefon: 0351 4276344
E-Mail: mail@animalmanship.de
www.animalmanship.de

Fotos:
– Archiv Axel Reichert
– Grundtraining: Querformat Fotografie Susan Franke