„Man kann sich die Heimatregion über den Geschmack des Saftes erschließen“

Vom Baum in die Flasche: Die Flämig-Brüder machen es möglich. Sie sind mit ihrer Saftpresse in Dresden und Umgebung unterwegs, um die köstlichen Aromen der heimischen Obstsorten als flüssigen Trunk aufzubereiten.

Hallo Dresden: Euer Hauptgeschäft ist die Verarbeitung von heimischem Obst: Was ist das besondere an Obst aus der Region?
Gebrüder Flämig: Der Geschmack des Obstes wird im Wesentlichen von den Böden, dem örtlichen Kleinklima und Wetter des jeweiligen Standortes bestimmt. Man kann sich die Heimatregion über den Geschmack des Saftes erschließen und findet ein Stück jeden Jahres im Glas wieder. Mit dem Saft aus der Region entdecken die Menschen einen verborgenen Schatz auf ihren Streuobstwiesen oder den ein, zwei Bäumen im eigenen Garten, die vielleicht noch die Großeltern gepflanzt haben und deren Obstsorte möglicherweise schon in Vergessenheit geraten ist. Die Menschen sehen durch den Saft ihre Umwelt mit anderen Augen und erkennen den Wert, den sie in Händen halten, in deren Folge, das Kulturgut „Streuobstwiese“ gepflegt wird, das besonders in der Region eine lange Tradition hat. Um dieser Tradition gerecht zu werden und weil der Wunsch nach gesunden und regionalen Lebensmitteln immer größer wird, wird Streuobst nicht durch künstliche Zusätze behandelt und enthält somit keine chemischen Rückstände, die in den Saft gelangen könnten.

Hallo Dresden: Ist Streuobst denn gleich Streuobst?
Gebrüder Flämig: Über die Frage, wie die Bäume behandelt werden sollen, entscheiden die Menschen selbst, in dem Bewusstsein, dass sie selbst ihren Saft trinken werden. Es ist die Vielfältigkeit der Streuobstwiese, welche den aromatischen Reichtum der Früchte begründet: Man findet alte Sorten, mit einem Aroma, das an eine Blütenwiese erinnert und andere Sorten, die eher dezente Aromen aufweisen. Diese Aromen, Fruchtzucker und Säure verändern sich im Laufe des Herbstes bei einer Sorte, sodass jeder Saft einen eigenen Charakter hat und ein „Unikat“ ist.

Hallo Dresden: Woher holen die Leute – gerade im städtischen Dresden – das Obst für die Säfte?
Gebrüder Flämig: Erfahrungsgemäß kommt das Obst der Kunden entweder aus dem eigenen Garten oder aus dem Umland von Dresden. Da die Stadt in unmittelbarer Nähe viel Grün zu bieten hat, ist es für die Kunden einfach, eine ausreichende Menge an Äpfeln, Birnen oder anderem Obst zu sammeln. Ist die Menge an gesammelten Früchten zu gering, tun sich viele Leute auch mit Nachbarn oder Freunden zusammen. Getreu dem Motto: Gemeinsam klappt’s bestimmt!

 

Hallo Dresden: Streuobst oder Pflückobst – macht das für euch als Verarbeiter einen Unterschied?
Gebrüder Flämig: Für uns als Saftpresser macht es keinen Unterschied, ob wir Streu- oder Plantagenobst verarbeiten. Jedoch wollen wir dazu anregen, das Kulturgut der Streuobstwiese zu pflegen und deren Potential zu nutzen. Während Plantagenobst oft nur wenige Sorten umfasst und einen eher einheitlichen Geschmack bietet, bringt Streuobst mit seiner Sortenvielfalt in der Regel ein breites Spektrum an Aromen mit, das durch hunderte Sorten Obstbäumen der Region geprägt wird.

Hallo Dresden: Warum sollte ich mein Obst bei euch abgeben?
Gebrüder Flämig: Wir kombinieren traditionelles Pressverfahren mit moderner Abfüll- und Verpackungstechnik. Durch das bewährte Entsaftungsverfahren erreichen wir eine hohe Qualität, die unsere Kunden genauso zu schätzen wissen, wie den unkomplizierten und schnellen Ablauf der Vermostung zu einem fairen Preis. Darüber hinaus sind wir mobil unterwegs und kommen in die Nähe unserer Kunden.

Hallo Dresden: Und ich bekomme auch tatsächlich „meinen Saft“?
Gebrüder Flämig: Unsere mobile Mosterei ist eine sinnvolle Ergänzung zu stationären Mostereien. Bei unserer Saftpresse bekommen die Kunden ausschließlich „ihren“ Saft – abgefüllt in praktische Bag-In-Box-Saftkartons. Sie können die einzelnen Verarbeitungsschritte ihres Obstes durch die Maschine mitverfolgen – angefangen vom Waschen bis zur Abfüllung des Saftes. Dabei werden keine Kundensäfte miteinander vermischt.

Hallo Dresden: Obst ist nicht gleich Obst: Woran erkennt ihr die Unterschiede?
Gebrüder Flämig: Unsere Kunden wissen zu schätzen, dass sie den Saft aus den eigenen Früchten erhalten. Deswegen ist es ihnen wichtig, möglichst reifes und sauberes Obst ohne Faulstellen abzugeben. Selbstverständlich kontrollieren wir vor der Verarbeitung die Früchte und sortieren, bei Bedarf, aus. Wir sind immer wieder erstaunt, dass kein Apfel, Birne oder Quitte wie die andere ist. Dies spricht für die Vielfalt der hiesigen Obstbaukultur.

 

Hallo Dresden: Passiert es auch mal, dass ein Saft gar nicht schmeckt?
Gebrüder Flämig: Wir sind mit unserer mobilen Mosterei seit 2013 unterwegs. Dabei haben wir fast ausschließlich positive Rückmeldungen erhalten. Beanstandungen in Geschmack und Haltbarkeit liegen meistens daran, dass die verarbeiteten Früchte nicht die Güte haben, die für eine gute Saftqualität notwendig sind. Auch kommt es hin und wieder vor, dass der Saft weniger oder mehr Süße hat. Der Zuckergehalt hängt hier von der Sorte und der Reife der Früchte ab. Die intensive Süße von Birnensaft lässt sich beispielsweise mit der Zugabe von Apfelsaft ausgleichen. Wohingegen der herbe Geschmack von Quitte ebenfalls mit Apfel vermindert werden kann.

Hallo Dresden: Und wie viel Obst ist für einen Liter Saft notwendig?
Gebrüder Flämig: Abhängig von Sorte und Reife der Früchte beträgt die Saftausbeute etwa 60-65%. Zum Beispiel bekommt man aus 50 kg Äpfeln etwa 30 Liter Saft, aus 100 kg etwa 60-65 Liter usw. An der Festigkeit des Tresters, als der Pressrückstände, erkennt man die sehr hohe Saftausbeute.

Hallo Dresden: Ihr verkauft den Saft in Kunststoffbeuteln im Karton, Bag-In-Box, wie es genannt wird. Welchen Vorteil hat das gegenüber den Flaschen?
Gebrüder Flämig: Das Bag-In-Box-System hat viele Vorteile. Zum einen ist der Saft lange haltbar. So hält sich das Getränk ohne Kühlung ungeöffnet mindestens ein Jahr, geöffnet vier Wochen. Zudem lassen sich die Boxen leicht stapeln und transportieren und sind sowohl deutlich leichter, als auch unempfindlicher als Glasflaschen. Darüber hinaus sind die Beutel lebensmittelecht und lassen sich bequem und umweltfreundlich entsorgen. Die Schachteln lassen sich nach der Benutzung leicht zusammenklappen und sogar wiederverwenden. Gerade das geringe Gewicht sowie den Platzverbrauch der Kartons und Beutel wissen wir als mobile Mosterei besonders zu schätzen.

Hallo Dresden: Was macht ihr, wenn keine Erntezeit für heimisches Obst ist?
Sebastian Flämig: Ich habe ein Maschinenbaustudium absolviert und bin freiberuflich als Maschinenbauingenieur tätig. In der Neben- aber auch in der Hauptsaison entwickle ich ständig unsere Technik nach unseren Wünschen und Anforderungen weiter, um der immer stärker werdenden Nachfrage gerecht zu werden.
Alexander Flämig: Hauptberuflich bin ich in einem großen Architekturbüro tätig. Darüber hinaus arbeite ich als Designer und bin unter anderem für die Öffentlichkeitsarbeit, die Außendarstellung sowie das Corporate Design der Saftpresse zuständig.

Alexander (li.) und Sebastian Flämig sind mobil: nicht nur im Stadtgebiet von Dresden pressen sie Obst zu Saft. Ihr Engagement bringt sie an die schönsten Orte im Dresdner Umland.

Alexander (li.) und Sebastian Flämig sind mobil: nicht nur im Stadtgebiet von Dresden pressen sie Obst zu Saft. Ihr Engagement bringt sie an die schönsten Orte im Dresdner Umland.

Hallo Dresden: Was ist nötig, um eine Saftpresse am Laufen zu halten?
Gebrüder Flämig: Vor der eigentlichen Presssaison von September bis November ist natürlich eine gewissenhafte Vorbereitung wichtig, in der neben maschinentechnischen Aspekten auch Öffentlichkeits- und Akquisearbeiten notwendig sind. Eine gute Vorbereitung ist das A und O für einen reibungslosen Ablauf während der Saison, in der jeder Tag genau strukturiert und geplant werden muss. Da aber, wie fast überall, Unvorhergesehenes eintreten kann, ist die Fähigkeit zur Improvisation ein wichtiger Teil unserer Routine. Uns ist auch wichtig, dass wir nicht nur reiner Dienstleister sind – der Kontakt mit unseren Kunden mit ihren Erfahrungen, Wünschen, Anregungen und Geschichten  ist unser Antrieb und Motivation. Dafür wollen wir beste Qualität liefern und freuen uns natürlich, wenn unsere Kunden zufrieden sind und wiederkommen.

 


Kontakt:
DiE SAFTPRESSE GbR
Alexander Flämig und Sebastian Flämig
Lößnitzstraße 14
01097 Dresden
Telefon: 0351 79998130
E-Mail: post@diesaftpresse.de
www.diesaftpresse.de

Fotos: Archiv Die Saftpresse GbR