„Musik ist die schönste Sprache der Welt“

Spanisch, Russisch oder Englisch lernen? Ab zur Musikschule! Damit die Musik ihre Kraft als universelle Sprache der Seele behalten kann, sollte sie sich frei entfalten können. In der Musikschule Adagio gibt es Instrumentenunterricht in unterschiedlichen Landessprachen, ganz nach Wunsch der Schüler. So ist ein leichter Einstieg, über Sprachbarrieren hinweg, möglich – und wer möchte kann das Angebot auch bewusst nutzen, um damit seine Fremdsprachenkenntnisse nebenbei zu trainieren, „solange die Freude am Musizieren bleibt“, betont Schulleiterin Irina Justus.

Hallo Dresden: Was ist dran am „Instrumentenkarussell“? Ist es sinnvoll, dass sich die Schüler eine kurze Zeit lang mit einem Instrument beschäftigen, dieses dann beiseite legen und sich an einem anderen probieren? Ist es nicht sinnvoller, ein Instrument erst einmal zu beherrschen, bevor man zum nächsten wechselt?
Irina Justus: Ein Instrument zu beherrschen geht nicht von heute auf morgen – da braucht man ein bisschen mehr Zeit. Und am Anfang steht eine sehr wichtige Frage: „Welches soll es sein?“ Was wir in unserer Musikschule oft erleben, ist, dass Eltern bei ihrem Kind eine Musikalität entdecken und das Kind zu uns in die Musikschule bringen. Meist wird dabei auch die Wahl des Instrumentes nicht vom Kind, sondern von seinen Eltern getroffen – was nicht immer zum Kind passt.

Hallo Dresden: Was könnt ihr in diesem Fall tun?
Irina Justus: Um dies zu vermeiden, bieten wir den Kurs „Instrumentenkarussell“. Er ist vor allem für die Kinder gedacht, die sich noch nicht entschieden haben, welches Instrument sie gern lernen möchten. Vor dem Kurs findet immer ein Gespräch mit den Eltern und dem Kind statt, bei dem die Wünsche des Kindes zu den möglichen Instrumenten abgefragt werden. In dem Gespräch wird festgelegt, welche Instrumente während des Kurses unterrichtet werden sollen. Angefangen wird mit dem priorisierten Instrument – wenn alles passt, bleiben die Kinder gleich bei diesem Instrument, was Zeit für das Kind und Geld für die Eltern spart. Die Besonderheit dieses Kurses in unserer Schule ist, dass jedes Instrument während des Kurses vom jeweiligen Fachlehrer unterrichtet wird. So lernt das Kind den Lehrer kennen, der – sollte sich das Kind dafür entscheiden – dieses Instrument auch weiter unterrichten wird. Das ist, sozusagen, eine Prüfung der „Chemie“: einerseits zum Instrument und andererseits zur Person des Lehrers, die eine sehr große Rolle bei der Entscheidung spielt.

Hallo Dresden: Was ist eure Erfahrung: Wie lange bleiben Kinder ihrem Instrument treu – bis sie beispielsweise keine Lust mehr haben?
Irina Justus: Das ist recht unterschiedlich und hängt von vielen Faktoren ab. Wenn das Kind von sich aus, allein und ohne Zwang von den Eltern, gerne zum Unterricht kommt und das Spielen am Instrument ihm oder ihr großen Spaß macht, dann kann das Musizieren auch zum Beruf werden. Normalerweise gibt es bis zur Pubertät keine Probleme. Im Pubertätsalter haben die Kinder plötzlich ganz andere Interessen, als nur klassische Musik zu spielen. In dem Alter hilft es auch, auf ein anderes Genre umzusteigen – es gibt außer Klassik jede Menge schöner Musik, die in dem Alter für Kinder sehr attraktiv ist; Popmusik und Jazz gehören zum Beispiel dazu. Dieser Umstieg setzt aber das Beherrschen des Instruments voraus. Mit anderen Worten: Das Kind sollte nicht unbedingt erst ein Jahr vor dem Pubertätsalter anfangen, um dieses Umsteigen zu ermöglichen. Deswegen empfehlen wir Eltern, so früh wie möglich mit dem Unterricht anzufangen, damit das Kind in dem Alter, die für dieses Umsteigen notwendige spielerische Voraussetzungen hat.

Hallo Dresden: Gibt es ein „ideales“ Einstiegsalter für den Instrumentenunterricht?
Irina Justus: Ein „ideales“ Einstiegsalter gibt es in dem Sinne nicht – bei jedem Kind ist es anders. Das hängt von der Entwicklung des Kindes ab. Für Kinder mit durchschnittlicher Entwicklung empfehlen wir, ab dem Lebensalter von fünf bis sechs Jahren mit dem Instrumentalunterricht anzufangen.

Hallo Dresden: Und dennoch: Gibt es Instrumente, die für jüngere Kinder eher nicht so oder gerade geeignet sind, sei es wegen der Instrumentengröße oder der Spielbarkeit?
Irina Justus: Die Frage ist berechtigt. Natürlich gibt es Instrumente, die für kleine Kinder aufgrund der Größe nicht geeignet sind, zum Beispiel das Akkordeon oder das Saxofon. Für diese Instrumente gibt es sogenannte „Einstiegsinstrumente“, die auf das Umsteigen zum Wunschinstrument vorbereiten. Beim Saxofon ist das die Blockflöte. Damit können Kinder früh umgehen, fangen deshalb damit an. Etwa im Alter von 8 Jahren schaffen die meisten dann den Umstieg auf das Wunschinstrument Saxofon.

Hallo Dresden: Ist es aus eurer Sicht wichtig, dass Kinder „dran bleiben“, auch wenn die Lust auf Üben nicht da ist?
Irina Justus: Das ist die Frage, die uns fast alle Eltern stellen und die auch nicht so einfach zu beantworten ist. Nehmen wir als Beispiele Ludwig van Beethoven und Niccolò Paganini: Von ihnen wird berichtet, dass sie von ihren Eltern zum Musikunterricht gezwungen wurden – die musikalischen Ergebnisse dieses Zwangs sind, glaube ich, jedem bekannt: Beide gelten heute als bedeutende Virtuosen der Musikgeschichte. Auf der anderen Seite gibt es viele Menschen, für die der Musikunterricht zum Albtraum geworden ist und die dieses negative Gefühl das ganze Leben lang mit sich tragen.

Hallo Dresden: Es bleibt also eine Gratwanderung…
Irina Justus: Es sollte schon ein gesunder Kompromiss gefunden werden. Wichtig ist es, nicht beim erstem „Nö“ des Kindes mit dem Musikunterricht aufzuhören – bei jedem gibt es Höhen und Tiefen. Man muss als Eltern in der ersten Zeit Mut haben, konsequent zu bleiben. Wenn das Kind nicht gern zum Unterricht kommt, sollten wir auf jeden Fall informiert werden. Und zwar so früh wie möglich. Es kann viele Gründe geben, warum der Unterricht keinen Spaß mehr macht: die Persönlichkeit des Lehrers, falsche Wahl des Instrumentes, sogar ein unbeliebtes Musikstück kann der Grund sein. Wenn wir rechtzeitig Bescheid wissen, ist es in der Regel auch möglich, dem entgegenzusteuern. Wenn es aber gar nicht mehr geht, muss eine Entscheidung getroffen werden. Und in dem Fall spielen auch die Kündigungsfrist bei uns oder der Wunsch der Eltern keine Rolle – an erste Stelle steht hier ganz klar das Wohl des Kindes.

Hallo Dresden: Wie können Eltern hier motivieren?
Irina Justus: Lob, Lob und noch mal Lob! Das hilft in jedem Alter. Außerdem das Kind auch erinnern, sich an das Instrument zu setzen und zu üben. Wenn regelmäßig geübt wird, dann spüren die Kinder auch die Entwicklung und kommen schneller zum Erfolgserlebnis. Dann macht es auch Spaß.

Hallo Dresden: Und die Lehrer, wie schaffen sie es, dass die Schüler dabei bleiben?
Irina Justus: Es gibt unterschiedliche Methoden, wie man als Lehrer dem Kind das Spielen am Instrument beibringen kann. Aber in dem Fall geht es nicht um die Methoden – hier spielt die Persönlichkeit des Lehrers eine enorm wichtige Rolle: Vorbild sein und inspirieren lassen. Und auch hier: Lob, Lob und noch mal Lob!

Hallo Dresden: Ist es eigentlich wichtiger, eine formale musikalische Ausbildung zu haben oder „erfahrener Vollblutmusiker“ zu sein?
Irina Justus: Nicht umsonst gibt es den Beruf „Musikpädagoge“. Man muss schon wissen, wie und was genau dem Kind beigebracht werden muss. Wie man andere unterrichtet, muss man lernen. So ist für uns sehr wichtig, dass die Lehrer einen entsprechenden Abschluss haben. Am besten wäre es natürlich, wenn der Pädagoge zugleich auch ein „Vollblutmusiker“ ist.

Hallo Dresden: Durch einen bunten Mix an Lehrern könnt ihr Unterricht in vielen unterschiedlichen Sprachen geben. Wird das genutzt?
Irina Justus: Ja, wir haben Lehrer mit unterschiedlicher Herkunft und wir sind auch stolz darauf. Das gibt uns nicht nur die Möglichkeit, den Unterricht in unterschiedlichen Sprachen zu geben, sondern gibt unseren Kindern die Möglichkeit, während des Unterrichtes mit unterschiedlichen Mentalitäten und Kulturen in Berührung zu kommen. Das Angebot der Schule wird genutzt, wenngleich ich sagen muss, dass doch überwiegend in deutscher Sprache unterrichtet wird. Dennoch unterrichten wir auch viel in anderen Sprachen. Zum Beispiel haben wir Kinder, die vor kurzem nach Deutschland eingewandert sind, die den Musikunterricht, mit dem sie im anderen Land angefangen haben, auch hier fortsetzen wollen. Andere Kinder, die bilingual in ihren Dresdner Familien aufwachsen, wählen bewusst eine andere Unterrichtssprache, um diese entweder zu üben oder zu festigen. Es ist ganz klar ein Vorteil, wenn das Kind in der gewünschten Sprache seinen Musikunterricht bekommt.

Hallo Dresden: Apropos Sprache: Ist das Musizieren auch eine Art „Sprache“ oder ist es eine Fertigkeit…?
Irina Justus: „Musik allein ist die Weltsprache und braucht nicht übersetzt zu werden“, möchte ich den Schriftsteller Berthold Auerbach an dieser Stelle zitieren. Ja, die Musik ist die schönste Sprache der Welt! Beim Unterricht lernen die Kinder, wie man mit dieser Sprache die menschlichen Gefühle ausdrücken und wiedergeben kann. Mit dieser Erfahrung werden die – bei uns noch eher jungen – Menschen aufwachsen; sie wird sie ihr ganzes Leben lang begleiten.

Hallo Dresden: Für welche Instrumente bekommt ihr die meisten Unterrichtsanfragen?
Irina Justus: Ganz klar: Klavier und Gitarre sind am meisten gefragt. Danach folgt die Geige.

Hallo Dresden: Woran liegt das?
Irina Justus: Ich persönlich denke, dass es daran liegt, dass diese Instrumente für die Eltern mehr bekannt sind. Wir haben auch schon die Erfahrung gemacht, dass die Kinder später von diesen „bekannten“ Instrumenten zu weniger „bekannten“ gewechselt haben.

Hallo Dresden: Ihr seid an zwei Standorten in Dresden vertreten? Woran liegt’s?
Irina Justus: Die Tatsache, dass die Schule zwei Unterrichtsorte hat, ist der Gründung der Schule geschuldet: Sie entstand aus einem Musikstudio, in dem ich Klavier unterrichtet habe. Daher bleibt der Standort auf der Schweizstraße als Unterrichtsort für Klavier weiter bestehen, andere Instrumente werden in den gemieteten Räumen auf der Oskar-Röder-Straße unterrichtet.

Hallo Dresden: Ergeben sich daraus für angehende Schüler Besonderheiten, die sie schon im Vorfeld berücksichtigen sollten?
Irina Justus: Die Erwartungen der Eltern sind, dass die Kinder möglichst alleine zum Unterricht kommen können. Wenn auch nicht gleich am Anfang, dann doch ein oder zwei Jahre später. Um diesen Erwartungen gerecht zu werden, müssen wir mit unseren Räumen den Schülern so nah wie möglich sein. Daher plant die Schule auch, in Zukunft noch weitere Standorte zu eröffnen.

 


Kontakt
Musikschule Adagio Dresden
Irina Justus
Schweizstraße 5a, 01259 Dresden
Oskar-Röder-Straße 3, 01237 Dresden
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E-Mail: info@musikschule-adagio.de
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Fotos: (c) Musikschule Adagio